Ehemaliger Landkreis: Allenstein – Heutiger Kreis (Powiat): Olsztyn
Die Geschichte des kleinen Gutsdorfes Alt Allenstein begann im Jahre 1342. Seinen Namen erhielt es wohl aus dem Grund, dass Mitte des 14. Jahrhunderts genau an dieser Stelle die Stadt Allenstein gegründet werden sollte. Der Gründungsort der Stadt wurde damals jedoch aus Verteidigungsgründen um wenige Kilometer nach Norden verlegt.
Lange Zeit befand sich in Alt Allenstein ein kleiner Hof mit dem Wohnplatz des Forstaufsehers des Ermländischen Domkapitels. Nachdem das Fürstbistum Ermland bei der ersten Teilung Polens im Jahr 1772 an Preußen fiel, verlor das Bistum seine politische Selbständigkeit. In den Besitz des preußischen Staates gelangten damit auch die Ländereien des Ermländischen Domkapitels. Wälder wurden zum Teil gerodet und das gewonnene Land verkauft, um neue Güter zu gründen.
Eines von ihnen, das daraufhin entstand, war Alt-Allenstein und um 1817 Pater Pisanski, Erzpriester von Allenstein, dessen erste Besitzer. Friedrich Wilhelm Martens, Landrat des Kreises Allenstein von 1841 bis 1861, war der nachfolgende Eigentümer des 163 Hektar großen Gutes, zu dem auch eine Brennerei gehörte. Nach seinem Tod im Jahre 1861 erbte seine Frau den Hof und verpachtete ihn an einen Leutnant Martens. Das Anwesen, das zehn Jahre später bereits eine Fläche von 367 Hektar umfasste, blieb bis 1889 im Besitz der Familie. Ottomar Dromtra, Brauereibesitzer und Angehöriger der in Allenstein ansässigen und bekannten Bankiersfamilie Dromtra, erwarb das Gut und vergrößerte es auf 417 Hektar. Sein Tod bei einem Jagdunfall im Oktober 1903 stellte sich im Nachhinein als Selbstmord heraus. Vor dem inszenierten Mord schloss er eine finanziell großzügige Lebensversicherung ab, mit der er dem aufgrund eines Skandals drohenden Bankrott der Familie entgehen wollte. Das Gut wurde zusammen mit der Brennerei von Hans Lingnau ersteigert. Zum 1922 etwa 460 Hektar großen Anwesen gehörten ein Gestüt mit 89 Pferden, jeweils 150 Rinder und Schweine sowie 60 Schafe. Die Produktion von tierischen Lebensmitteln war vor allem für den Allensteiner Markt bestimmt, was sich auch wegen der kurzen Transportwege als profitabel erwies. Josef Lingnau, der das Gut 1929 nach dem Tod seines Vaters übernahm, vergrößerte noch den Rinder-, Schweine- und Schafzuchtbetrieb. Im Januar 1945 wurde Josef Lingnau von sowjetischen Soldaten ermordet.
Das Gutshaus und der Wirtschaftshof überstanden die Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet. Im Wohnhaus wurde das regionale Hauptquartier der Sowjetarmee eingerichtet. Danach nutzte ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb bis 1972 das Gutsgelände.
Das einstige Gutshaus vermittelt den Eindruck, aus verschiedenen Gebäudeteilen zusammengesetzt worden zu sein: auf der rechten Seite ein eingeschossiges Kniestockhaus mit Mittelrisaliten an beiden Längsseiten und auf der linken Seite ein zweigeschossiger Bau, beide verbunden durch einen Risalit mit Dreiecksgiebel. Eine Treppe führt zum eingezogenen Eingangsbereich des Mittelrisalits der Vorderfassade. An der südlichen Giebelseite befindet sich ein polygonaler Standerker. Die in Form und auch Farbe unterschiedlichen Türen und Fenster aus Kunststoff, die vor einiger Zeit eingebaut wurden, tragen zum unstimmigen äußeren Erscheinungsbild des Hauses bei. Möglicherweise früher einmal vorhandene Dekor- und Putzelemente sind verschwunden.
Der alte Baumbestand an der Auffahrt zum Wohnhaus blieb größtenteils erhalten, die Überreste des ehemaligen Gutspark verwilderten. Die Gebäude des Wirtschaftshofes sind verfallen.
Unweit der Gutsanlage befindet sich der Familienfriedhof der Familie Lingnau.
Das Gutshaus befindet sich in Privatbesitz und wird von mehreren Familien bewohnt. (Stand 7/2024)
Letzter Besitzer vor 1945: Josef Lingnau
8 km südlich von Allenstein (Olsztyn)