Ehemaliger Landkreis: Angerburg – Heutiger Kreis (Powiat): Węgorzewo
Etwa vier Kilometer südlich der Grenze zu Nordostpreußen (heutige russische Exklave Kaliningrad) liegt das einstige Gut Alt Perswalde (1785: Perlen). 1558 wurde Sebastian Pörlein Dorf und Gut verliehen. Über die Eigentümer der zwei folgenden Jahrhunderte ist wenig bekannt. Ein Herr Gruhn war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Eigentümer und verkaufte das Gut an den Staat zur Anlegung eines Vorwerks. Dieses auf eine Erbpacht angelegte Vorwerk übernahm um 1772 eine Familie von Boyen. 1788 ließ diese Familie das Dorf Neu Perlswalde (1818: Neuperlen) anlegen. Noch um 1820 findet ein Erbpächter Lieutnant von Boyen dort Erwähnung.
In der Abendausgabe 473 vom 08.10.1912 der „Königsberger Hartungsche Zeitung“ ist auf Seite 11 Folgendes zu lesen: „Das rund 400 Morgen große Gut Perlswalde im Angerburger Kreise hat der bisherige Besitzer Neumann für den Preis von rund 200000 Mk. an den Besitzer Rogall aus dem Kreise Preußisch-Friedland veräußert. Die Besitzung war mehr als 60 Jahre im Besitz der Familie Neumann.“ 1921 hält die Familie Rogall auf ihrem 92 Hektar großen Gut 20 Pferde, 46 Rinder, 10 Schafe und 15 Schweine. 1932 ist eine Familie Przyborowski Eigentümer des kleinen Anwesens.
Auf dem Gutsgelände von Alt Perlswalde entstand um 1900 zwischen Wirtschaftshof und dem kleinen Park ein neues Herrenhaus. Das mit einem Satteldach gedeckte, eingeschossige Kniestockhaus wurde auf rechteckigem Grundriss errichtet. Ein zweigeschossiger Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel gliedert die Vorderfassade. Dieser wird besonders durch den polygonalen Standerker mit dem darüberliegenden Balkon hervorgehoben. An der westlichen Giebelseite befindet sich eine gemauerte Veranda mit dem Haupteingang. Quaderputz an den Hausecken und am Risalit sowie umlaufendes Gesims sind Architekturdekore. Die großen alten Bäume, zwischen die das Herrenhaus gebettet liegt, sind Relikte des damaligen Parks.
Das bewohnte Haus ist sanierungsbedürftig. Der Putz bröckelt großflächig von der Fassade und legt das Ziegelmauerwerk frei. Die Fenster zeigen sich teilweise als Flickwerk aus verschiedenen zusammengefügten Fensterelementen mit uraltem Farbanstrich.
Das Gelände vor dem Haus ist mit einer Rasenfläche, Blumen und Sträuchern gestaltet. Überreste der Wirtschafts- und Stallgebäude werden heute noch genutzt.
Das ehemalige Herrenhaus wird von mehreren Familien bewohnt. (Stand 7/2018)
Letzter Besitzer vor 1945: Familie Przyborowski (1932)
11 km nördlich von Angerburg (Węgorzewo)