Ehemaliger Landkreis: Gerdauen – Heutiger Kreis (Powiat): Kętrzyn
Etwa vier Kilometer südlich der Grenze zu Nordostpreußen (heutige russische Exklave Kaliningrad) liegt das ehemalige Rittergut Arklitten, das im Jahre 1437 seine erste urkundliche Erwähnung fand. 1469 verschrieb Heinrich Reuß von Plauen, 32. Hochmeister des Deutschen Ordens, dem Hans von Herten Arklitten nach Magdeburger Recht. Als dessen Familie ausstarb, bekam Fabian von Hundertmarck 1503 durch Friedrich von Sachsen, 36. Hochmeister des Deutschen Ordens, das Gut verliehen. Der letzte Eigentümer der Familie, Christoff von Hundertmarck, verkaufte im Jahr 1620 Anwesen an Christoph II. von Schlieben. Sein Nachfolger, Christoph III. von Schlieben, ließ all seine geerbten, aneinander angrenzenden Güter zu einer großen Besitzung zusammenfassen. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts gelangte dieser Großgrundbesitz in die Hände verschiedener Adelsfamilien. Wolf von Schlieben, Hofgerichtsrat von Königsberg, zweifelte den Prozess der Zusammenlegung der Güter an und erwirkte, dass er 1735 die Ländereien Arklittens zurückkaufen konnte. Aufgrund finanzieller Probleme kam es zwanzig Jahre später zur Zwangsversteigerung.
Carl Friedrich von Rautter ersteigerte das Anwesen. Als er kinderlos verstarb, kam es zu mehreren Erbstreitigkeiten innerhalb der Familie, die den Verkauf von Arklitten zur Folge hatte. Albrecht Dietrich Gottfried Freiherr von und zu Egloffstein, preußischer Generalmajor und Gouverneur von Ost- und Westpreußen, erwarb 1780 das Anwesen für 60000 Taler von Friederike Modesta von Lettow, verwitwete von Rautter. Da der Freiherr selbst keine Nachkommen hatte, wandelte er vor seinem Tod im Jahr 1791 den Besitz in das Fideikommiss Arklitten um, welches sein Bruder Otto Friedrich übernahm. Das Gut ging durch mehrere Hände von Majoratsbesitzern. Nach dem Ersten Weltkrieg löste Friedrich Cuno Graf von und zu Egloffstein das Fideikommiss auf. Sein Sohn Heinrich erbte Arklitten, das bis 1945 im Besitz der Familie blieb.
Im Verlaufe der Jahrhunderte gehörten verschiedene Güter und Dörfer zu den Ländereien Arklittens. So war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter anderem Gut Silllginnen Teil der Besitzungen. 1879 gab es eine Holländer Windmühle und bis 1945 eine Ziegelei und eine Meierei. Auf den Ländereien, zu denen 1932 die Vorwerke Berg, Aftinen, Egloffstein und Blandau gehörten, wurden in dem Jahr insgesamt 166 Pferde, 615 Rinder, 338 Schafe und 438 Schweine gehalten.
Albrecht Dietrich Gottfried Freiherr von und zu Egloffstein ließ nach dem Erwerb des Anwesens das alte Herrenhaus abreißen und gründete die Gutsanlage am Arklitter See. Das von 1780 bis 1782 im spätbarocken Stil errichtete Herrenhaus bildete den Mittelpunkt der Anlage. Der Wirtschaftshof befand sich nördlich des Gebäudes, ein großer Landschaftspark an der Süd- und Westseite des Hauses. Vor der Vorderfassade, führte eine ovale Auffahrt zum hohen, klassizistischen Viersäulenportikus und dem Haupteingang. Das auf rechteckigem Grundriss errichtete Herrenhaus war ein zweigeschossiger Bau mit erhöhtem Erdgeschoss und ausgebautem Dachgeschoss. Ein Mansarddach deckte den Bau. Zwei vorspringende Seitenrisalite an der Vorderfassade und ein Mittelrisalit an der Gartenseite gliederten die Fassaden. Ein Dreiecksgiebel mit einer Wappenkartusche, die nun im Burgmuseum Ketrzyn (Rastenburg) zu bewundern ist, krönte den Portikus. Ecklisenen schmückten das Gebäude.
Das Herrenhaus überstand den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden. 1945 plünderten Soldaten der sowjetischen Armee nach ihrem Einmarsch in Arklitten die Einrichtung des Gebäudes, zerstörten es jedoch nicht.
Der staatliche Landwirtschaftsbetrieb, der die Gutsanlage nach 1945 übernahm, nutzte das Herrenhaus bis in die 1970er Jahre. Dort wurden Büros für die Verwaltung, Personalräume und Wohnungen für die Angestellten eingerichtet. Ein Kindergarten bezog Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Nach dem Auszug des Staatsgutes verfiel das Gebäude, das ab dieser Zeit wohl offensichtlich zur Gewinnung von Baumaterial genutzt wurde. 1983 zerstörte ein Brand das verlassene Herrenhaus. Später stürzte das Dach ein. Nur Mauern blieben stehen und auch sie verfielen mit der Zeit.
Die einst repräsentative Parkanlage verwilderte über Jahrzehnte. Im Dickicht der Bäume sind die wenigen Reste der Herrenhausruine fast verschwunden.
Die alte Gutsanlage wird noch heute durch einen landwirtschaftlichen Betrieb genutzt.
Vor der Kirche im nahegelegenen Örtchen Molthainen befinden sich die Grabstellen des Gründers der Gutsanlage Arklitten Albrecht Dietrich Gottfried Freiherr von und zu Egloffstein und seiner Ehefrau Henriette Gottliebe. Das Grabdenkmal in Form eines Postaments mit Vasenbekrönung und Flachreliefs stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts. Es fehlt jedoch die Beschriftung. (Stand 8/2021)
Letzter Besitzer vor 1945: Heinrich Graf von und zu Egloffstein
28 km nördlich von Rastenburg (Kętrzyn)
38 km nordwestlich von Angerburg (Węgorzewo)