Ehemaliger Landkreis: Neidenburg – Heutiger Kreis (Powiat): Olsztyn
Michael Küchmeister, 28. Hochmeister des Deutschen Ordens, verlieh im Jahre 1418 dem Ritter Hartmann das 1000 Hektar große Gut Baltze. Nach 1574 erhielt das Rittergut den Namen Baldi später dann Balden. Im Laufe der Zeit wechselten die Besitzerfamilien mehrfach. Im 17. Jahrhundert befand sich das Anwesen in den Händen der Familie von Drauschwitz. Deren letzter Vertreter Georg verstarb 1717 und hinterließ das Gut an unbekannte Erben. In den 1780er Jahren findet die Familie von Schraden Erwähnung. Etwa zu dieser Zeit siedelten sich Teerbrenner auf dem Gut an und gründeten Baldenofen (Bałdzki Piec), um dort Holzteer und Holzkohle zu gewinnen. Neben der Teermühle gab es auch eine Wassermühle. Bei einem weiteren Besitzerwechsel wurde Baldenofen ausgegliedert. Bevor das zu dieser Zeit 700 Hektar große Anwesen ab Mitte der 1830iger Jahre zu den Besitzungen des Geheimen Oberrechnungsrats Ernst Friedrich von Lavergne-Peguilhen gehörte, war eine Familie von Helden Eigentümer. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besaßen Ferdinand und später dann Conrad Quednau das mit dem Vorwerk Dorotheental (Zaskwierki) etwa 1150 Hektar große Rittergut. Er betrieb auch eine Dampfbrennerei mit Mühle.
Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert befand sich das Gut im Besitz von Richard Palmowski, der es später an den Staat verkaufte. 1905 hielt Palmowski auf dem noch 750 Hektar großen Gut 377 Schafe, 54 Pferde, 126 Rinder und 44 Schweine. Brennerei und Wassermühle waren weiterhin in Betrieb. Die seit dem Verkauf im Jahre 1908 nun staatliche Domäne Balden pachtete ein Herr Kloevekorn. Anfang der 1920er Jahre versorgte der nachfolgende Pächter Paul Rachau 45 Pferde, 200 Rinder und 350 Schweine. Neben der Brennerei und Molkerei wurde auch ein Holzsägewerk betrieben. Auf dem Gut gab es zu dieser Zeit sogar eine eigene Stromversorgung. Carl Wollowski war letzter deutscher Pächter der Domäne.
Das ehemalige Gutshaus wurde vor 1900 hochunterkellert auf rechteckigem Grundriss errichtet. Es ist ein eingeschossiger Bau mit einem Wohnbereich unter dem flachen Satteldach. Lisenen an den Hausecken und umlaufendes Gesims gliedern die Fassaden. Der Quaderputz und die schlichten Dekorelemente über den Fenstern, die diese zusätzlich schmückten, sind verschwunden. In der Mitte der Vorderfassade befindet sich ein zweigeschossiger Scheinrisalit mit Dreiecksgiebel und einem seitlich versetzten massiven Vorbau. Zum Eingangsbereich führt eine dekorative, zweiläufige Bogentreppe mit hoher Brüstung. An der gegenüberliegenden Längsseite des Hauses führte einst eine schmale Treppe von der hochgelegenen offenen Veranda hinab in den Park.
Das Gutshaus, das bewohnt ist, steht zwischen dem Wirtschaftshof und dem Park mit zwei Teichen. Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude sind überwiegend gut erhalten. Neben einer Linde mit vier Metern Stammumfang überlebten vom alten Bestand nur wenige Bäume verschiedener Arten die Zeiten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein landwirtschaftliches Staatsgut. 1975 wurde der Landwirtschaftsbetrieb in die RZD Pozorty eingegliedert und diente nun als Forschungsstation für Rinderzucht. Später übernahm die Uniwersytet Warmińsko-Mazurski (Universität Ermland-Masuren) Olsztyn das Staatsgut für Forschungs- und Lehrzwecke.
Direkt am ehemaligen Gut Balden verläuft die „Bischofsallee“. Entlang des mit imposanten Linden gesäumten Weges wurden in den letzten Jahren Tafeln und Gedenksteine für die ermländischen Bischöfe aufgestellt. Dieser Wegabschnitt soll daran erinnern, dass von 1551 bis 1795 jeder neugewählte Bischof von Ermland auf der Reise von Warschau hier seine Diözese erstmals betrat. In Balden, an der südlichsten Spitze Ermlands gelegen, überschritt er die Grenze von Masuren zu seinem eigenen Herrschaftsgebiet, wurde dort feierlich begrüßt und bewirtet. In der Pfarrkirche des nahegelegenen Wuttrienen (Butryny) feierte er die Heilige Messe. (Stand 7/2026)
27 km südöstlich von Allenstein (Olsztyn)