Ehemaliger Landkreis: Allenstein – Heutiger Kreis (Powiat): Olsztyn
Das ehemalige Gut Bergenthal wurde zu Zeiten seiner Gründung innerhalb der Allensteiner Stadtgrenzen errichtet. Der Allensteiner Ratsherr und Fabrikant Andreas Bogatzki erhielt die Ländereien 1832 zum Dank von der Stadt geschenkt, da er Allenstein vor einem großen Brand gerettet hatte. Das Gut trug erst die Bezeichnung Abbau Bogatzki, den Namen Bergenthal erhielt es im April 1848. Die Namensgebung erlebte Andreas Bogatzki nicht mehr, da er einen Monat zuvor verstarb. Seine Tochter Anna und deren Mann Carl Rhode erbten das Gut. Um 1900 erwarb Stadtrat Max Lion, Besitzer zweier Dampfziegeleien, das Anwesen. Im Jahre 1917 beschloss er, das Gut an Richard Palmowski zu verkaufen, da aufgrund des andauernden Weltkrieges Arbeitskräfte für die Bewirtschaftung von Bergenthal fehlten. Von 1928 bis 1937 pachtete die Garnison Allenstein das Gut und richtete dort die Militärlandwirtschaftliche Schule des Ausbildungsbataillons beim 2. Preußischen Infanterieregiment ein.
Nach dem Kauf des Anwesens durch Max Lion wurde das bestehende Gutshaus renoviert und für die Familie umgebaut. Im Januar 1901 brannte das Wohnhaus bis auf die Grundmauern ab, als es bei Auftauarbeiten einer eingefrorenen Wasserleitung zu einem Brand kam. Nach einem Jahr war der Wiederaufbau des eingeschossigen Wohnhauses abgeschlossen. Das mit einem Mansarddach gedeckte Gebäude wurde auf rechteckigem Grundriss errichtet. Ein achteckiger Turm und ein Seitenrisalit an der Frontseite sowie eine Arkadenveranda mit Balkon an einer Giebelseite sind die optisch hervorstechenden Elemente des Gutshauses. Ebenso schmücken der hölzerne Vorbau vor dem Eingang und unterschiedlichste Fassadendekorelemente den Bau.
Im Januar 1945 besetzte die Rote Armee die Gutsanlage und blieb bis 1947 dort stationiert. In den Folgejahren wurden in den einst stilvollen Wohnräumen des ehemaligen Gutshauses Pelztiere gezüchtet. Die Pelztierfarm und ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb nutzten das Gutshaus zu Büro- und Wohnzwecken. In den 1970iger Jahren hielten kommunale Wohnungen Einzug.
Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude, in dem sich heute ein Naturkundemuseum (Muzeum Przyrody) befindet, saniert. Mittlerweile ist das Mauerwerk im Sockelbereich des Hauses und an einigen Fenstern durch Feuchtigkeit beschädigt. Besonders zeigt sich dies am Treppenaufgang zur Veranda aber auch an der Veranda selbst. Die Parkanlage mit den uralten Bäumen ist gepflegt, in der Wagenremise sind die Museumsbibliothek, ein Bildungsaal, Lagerräume und Arbeitsräume untergebracht. (Stand 7/2019)
Letzter Besitzer vor 1945: Richard Palmowski
Vorort von Allenstein (Olsztyn)