Birkenfeld (Brzeźnica)

Ehemaliger Landkreis: Gerdauen – Heutiger Kreis (Powiat): Kętrzyn

‍Vorderfassade

Nur wenige hundert Meter südlich der Grenze zu Nordostpreußen (heutige russische Exklave Kaliningrad) liegt das ehemalige Rittergut Birkenfeld, das sich über mehrere Jahrhunderte im Besitz der Familie von Schlieben befand. Das bereits um 1400 gegründete Dorf Birkenfeld gehörte zu den großen Gütern, die Heinrich Reffle von Richtenberg, 33. Hochmeister des Deutschen Ordens, im Jahre 1471 dem Georg von Schlieben verschrieb. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gründete Albrecht von Schlieben hier den Familiensitz der von Schlieben zu Birkenfeld. Nach dem Tod von Adolf von Schlieben, letzter männlicher Erbe des preußischen Familienzweiges zu Birkenfeld, im Jahr 1815 (1816) kam es zu Erbstreitigkeiten, in deren Folge die Familie aus finanzieller Not auch dieses Anwesen verkaufen musste. Ferdinand Julius Totenhoefer erwarb neben dem nun eigenständigen Gut Birkenfeld auch das benachbarte Gut Sechserben und das Vorwerk Korellen. 1879 hatten die Ländereien eine Gesamtgröße von 2281 Hektar. Eine Wassermühle existierte bereits 1785, später wurden eine Dampfbrennerei und Anfang des 20. Jahrhunderts auch eine Kartoffeltrocknungsanlage betrieben. Sechserben wurde 1920 vom Großgrundbesitz als eigenständiges Gut ausgegliedert, kurz danach auch Korellen. Die drei Töchter von Karl Julius Totenhoefer erhielten jeweils ein Anwesen. Ende der 1920er Jahren wurden auf dem nun 1267 Hektar großen Birkenfeld 180 Pferde, 210 Rinder, 200 Schafe und 120 Schweine gehalten. Tochter Erna, seit 1913 mit Martin Koch verheiratet, erbte Birkenfeld nach dem Tod ihres Vaters. 1943 ließ sie sich scheiden und bewirtschaftete als Besitzerin das Gut bis zu ihrer Flucht im Jahr 1945.

Die Familie Totenhoefer ließ das Herrenhaus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an der Stelle des alten Wohnhauses errichten. Es ist ein eingeschossiger, hochunterkellerte Bau auf rechteckigem Grundriss. Ein hohes Satteldach deckt das Gebäude. Zweigeschossige Mittelrisalite mit dekorativen Giebeln gliedern beide Längsseiten des Hauses. Vor dem Risalit der Vorderfassade befindet sich ein verglaster Vorbau, deren darüberliegende Terrasse von vier steinernen Säulen getragen wird. An den Giebelseiten stehen eingeschossige Anbauten mit flachem Satteldach beziehungsweise einem Schleppdach, an der linken Hausecke der Gartenseite eine Veranda, deren Treppe hinab in den Garten und Park führt. Einfache klassizistische Dekorelemente zieren die Fassaden.

Das Herrenhaus wurde am 20. September 1914, kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges, durch Soldaten der russischen Armee niedergebrannt. Der originalgetreue Wiederaufbau folgte schon bald darauf. Die an der Spitze der nördlichen Giebelseite angebrachte Wetterfahne mit der Jahreszahl „1922“ befand sich einst auf dem Dach des Kuhstalls vom Gut Kleinerben.

Neben dem neu errichteten Wohngebäude wurde von der Familie Totenhoefer sowohl der Wirtschaftshof mit seinen Gebäuden aus roten Ziegelsteinen als auch der bereits im 18. Jahrhundert bestehende Park mit Teichen und symmetrisch angelegten Baumalleen erweitert.

Durch die Ländereien des ehemaligen Gutes Birkenfeld, das sich heute größtenteils auf polnischer Seite befindet, verläuft seit Ende des Zweiten Weltkrieges die polnisch-russische Grenze. Auf dem Gutsgelände entstand ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb, der im Herrenhaus Büroräume für die Verwaltung und Wohnungen für die Mitarbeiter einrichtete. Die auf dem alten Wirtschaftshof gelegene Brennerei wurde ab 1961 wieder in Betrieb genommen.

Der alte Wirtschaftshof wird weiterhin landwirtschaftlich genutzt und zeigt sich wie auch das Wohnhaus in gutem Zustand. Alter Baumbestand des Landschaftsparks blieb erhalten.

Das ehemalige Herrenhaus befindet sich in Privatbesitz und ist bewohnt.

Etwa anderthalb Kilometer südöstlich von Birkenfeld entfernt befindet sich der Familienfriedhof der Besitzerfamilie Totenhoefer. (Stand 8/2021)


Letzter Besitzer vor 1945: Erna Koch


25 km nordwestlich von Angerburg (Węgorzewo)

36 km nördlich von Rastenburg (Kętrzyn)

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