Bündtken (Bądki)

Ehemaliger Landkreis: Mohrungen – Heutiger Kreis (Powiat): Iława

‍Blick von der Auffahrt

Im 15. Jahrhundert begann die Geschichte des einstigen Rittergutes Bündtken, als Ludwig von Erlichshausen, 31. Hochmeister des Deutschen Ordens, einem Hans Wolff aufgrund seiner militärischen Verdienste unter anderem das Dorf Groß Smausgeyn zu Magdeburger Recht verlieh. Nach dem Tode des Hochmeisters im Jahre 1467 übernahm Heinrich Reuss von Plauen als Statthalter die Führung des Ordens und bestätigte am 30. Oktober 1467 diese Verleihung. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts befand sich das dortige Gut im Besitz des Melchior von Diebes, einhundert Jahre später für mehrere Jahrzehnte in den Händen der Familie von Mohr. 1785 wurde das frühere Bunthke in Bündtken umbenannt. Lieutnant von Bähr war zu diesem Zeitpunkt Eigentümer des Anwesens, zu dem das Vorwerk Lindenhof und der neu gegründete Hof Marienthal gehörten. Kurze Zeit später war das Gut Teil der Besitzungen der Familie Nikolaus von Styp-Rekowski. Tochter Johanna, auch als Herrin auf Bündtken und Venedien tituliert, heiratete im Jahre 1795 Dietrich von Radecke (Radtke). Nach dessen Tod ging sie die Ehe mit dem Landschaftsrat Wilhelm von Polenz ein. 1828 wurden auf dem Gut unter anderem Merinoschafe gezüchtet. Johanna von Polenz verstarb 1846.

1859 erwarb Johann Martin Stoppel, ein Hamburger Kaufmann, das alte Rittergut mit den Vorwerken Marienthal und Lindenhof. Seine Familie erweiterte das Anwesen im Laufe der Zeit und ließ auch den Landschaftspark anlegen. Nachdem ihr Mann 1887 verstarb, bewirtschaftete Anna Stoppel das Gut. Dieses war 1903, dem Jahr ihres Todes, 554 Hektar groß war. Neben der Viehzucht gab es eine Ziegelei und eine Molkerei, in der vor allem Butter hergestellt wurde. Sohn Richard Heinrich erbte den Gutsbetrieb, der im Jahr 1921mittlerweile eine Größe von 753 Hektar hatte. Neben Rindern und Schweinen wurden auch Pferde gezüchtet. Bis 1932 vergrößerte sich der Zuchtbetrieb auf 450 Schweine und 290 Rinder (Ostpreußisch Holländer Herdbuchvieh), in Lindenhof gab es eine Pelztierfarm. Bis Anfang 1945 betrieb Richard Stoppel das Gut gemeinsam mit seiner Frau Ruth. Um den Einmarsch der sowjetischen Armee zu entgehen, organisierte Ruth Stoppel im Januar 1945 für 150 Menschen den Flüchtlingstreck vom Gutshof und führte diesen bis nach Norddeutschland an.

Die 1874 geborene Rose Stoppel wuchs mit ihren vier Schwestern und zwei Brüdern auf dem Gut auf. Sie war die jüngste Tochter von Johann Martin und Anna Stoppel und wurde 1929 die erste Professorin für Botanik an einer deutschen Universität.

Martin Stoppel war Auftraggeber des in den Jahren 1868 bis 1870 im Stil der Neogotik errichteten Herrenhauses. Das eingeschossige Kniestockhaus wurde auf H-förmigen Grundriss mit einem hochgelegenen Kellergeschoss und einem Wohnbereich unter dem Dach erbaut. Die Architektur der alten Ordensburgen inspirierte den damals jungen Architekten Johannes Vollmer (1845-1920), der sich später vor allem mit deutschen protestantischen Kirchenbauten einen Namen machte, vermutlich zu diesem Entwurf.

Der Hauptbau und die beiden Querflügel wurden aus roten Backsteinen errichtet, ihre Satteldächer kreuzen sich. Der dreieckige Giebel an der Westseite des Hauses ist im Vergleich zu den mit Fialen gesäumten Staffelgiebeln schlicht gehalten. So schmücken weiß gestrichene, durchbrochene Rosetten diese fünf Giebel. Die mit schwarzglasierten Ziegeln verzierten Kanten und Ziegelgesimse sowie die Arkadenfriese mit Stuckfeldern sind weitere vielfältige Dekorelemente der Fassaden. In der durch die beiden Giebel entstandenen Nische der Vorderfassade befindet sich eine überdachte Terrasse, zu der eine seitlich versetzte Treppe hinauf zum Haupteingang des Hauses führt. Die zwei Dachgauben oberhalb der Terrasse sind von Turmspitzen bekrönt. An der Gartenseite des Hauses entstand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwischen den Giebeln ein massiver Bau mit einer darüberliegenden Terrasse. Der einst verputzte Anbau, der aus der Front der Fassade hervorragt, zerstört die ursprüngliche Fassadenansicht total. An beiden Hausecken der östlichen Fassade des Gebäudes befindet sich eine mit einem Schleppdach gedeckte Veranda mit steinerner Balustrade.

Soldaten der Sowjetarmee nahmen am 24. Januar 1945 Bündtken kampflos ein. Eine Kompanie blieb bis Juni 1945 im Dorf stationiert. Während dieser Zeit zerstörten sowjetische Soldaten mehrere Gebäude, einzelne brannten sie nieder.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1945 entstand auf der ehemaligen Gutsanlage ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb. Im Herrenhaus wurden neben Büroräume und Wohnungen für die Angestellten auch eine Grundschule und später ein Kindergarten eingerichtet. Seit 1994, dem Jahr der Auflösung des Betriebes, ist das Anwesen Eigentum der Staatlichen Agentur für Landwirtschaftliche Immobilien und wird von ihr verpachtet.

Das Herrenhaus ist unbewohnt. Nach erheblichen Wasserschäden im Inneren des Hauses durch eindringendes Regenwasser wurde das Gebäude neu eingedeckt. Scheiben der original erhaltenen Doppelfenster sind zerbrochen. Hausöffnungen notdürftig mit Holzlatten gesichert, um Fremden den Zutritt zu erschweren. Das Gebäude hinterlässt einen trostlosen Eindruck. Der Wirtschaftshof wird landwirtschaftlich genutzt. Der Park mit seinem alten Baumbestand ist verwildert. (Stand 12/2023)


Letzter Besitzer vor 1945: Richard Heinrich Stoppel


11 km südwestlich von Maldeuten (Małdyty)

23 km westlich von Mohrungen (Morąg)

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