Erwienen (Jarkowo)

Ehemaliger Landkreis: Bartenstein – Heutiger Kreis (Powiat): Bartoszyce

‍Vorderfassade

In den Jahren 1884 und 1885 erwarb der Bartensteiner Brauereibesitzer Otto Engelbrecht einen nordwestlich von Bartenstein gelegenen Bauernhof und einen weiteren Hof, welcher nördlich der Stadt lag. Mit diesem Besitz entstand das Gut Erwienen (das 1895 ursprünglich nach dem jüngsten Sohn benannt Erwinen), das vier Jahre später durch den Kauf des nahegelegenen Gutes Wilhelmsruh vergrößert wurde. Damit hatte es außer dem noch vierzig Hektar zusätzlich gepachteten Pfarrland insgesamt eine Fläche von 250 Hektar. Nach dem Tod seines Vaters Otto im Jahr 1916 übernahm Dr. phil. Erwin Engelbrecht das Anwesen. Mit der Warm- und Kaltblutpferdezucht wurde bereits im Ersten Weltkrieg begonnen. Neben der Zucht von Rinderherdbuchvieh und von Schweinen gab es auch einen Hochzuchtsaatbetrieb. Das Gut befand sich bis zur ihrer Flucht vor der sowjetischen Armee im Januar 1945 im Besitz der Familie Engelbrecht. Das Ehepaar überlebte das Ende des Krieges nicht.

Da die Familie anfangs nur in den Sommermonaten auf dem Gut lebte, wurde in den ersten Jahren das dort bereits vorhandene, auf rechteckigem Grundriss errichtete eingeschossige Wohnhaus zu Wohnzwecken genutzt. Quergestellt wurde 1896 an das alte Haus ein zweigeschossiger Anbau mit Satteldach und einem Standerker an der Gartenseite errichtet. Um als dauerhafter Wohnsitz zu dienen, wurde das ursprüngliche Gebäude abgerissen. An gleicher Stelle und mit fast derselben länglichen, rechteckigen Grundfläche entstand von 1913 bis 1914 der neue eingeschossige Bau mit ausreichend Wohnfläche unter dem hohen Mansardwalmdach. Ein polygonaler Standerker mit einem darüberliegenden Balkon gliedert die Hofseite des einstigen Herrenhauses. An der Gartenseite befindet sich eine hölzerne Veranda. Familie Engelbrecht bezog das Haus noch 1914.

Auf der Gartenseite des Hauses ließen die Eigentümer ab 1891 einen Garten („Park“) im „englischen Stil“ anlegen, durch den ein Bach zu einem Teich führte.

In den 1890er Jahren wurden die bereits vorhandenen Bauten des alten Wirtschaftshofes abgerissen und durch neue, aus roten Ziegelsteinen erbaute Wirtschaftsgebäude und Ställe sowie einer großen Holzscheune ersetzt. In den Anfangszeiten des Ersten Weltkrieges brannten Soldaten der russischen Armee alle Gebäude des neuen Hofes nieder. Diese wurden in relativ kurzer Zeit wieder aufgebaut. Das Gutshaus blieb von der Zerstörungswut verschont.

Nach 1945 diente die einstige Gutsanlage verschiedenen Zwecken. Sie wurde erst als Schulstandort und später bis Anfang der 1990er Jahre von einem staatlichen Landwirtschaftsbetrieb genutzt.

Ein Feuer zerstörte das ehemalige Herrenhaus. Der derzeitige private Eigentümer, dem das Haus samt Garten gehört, ließ das Gebäude nach historischem Vorbild wieder aufbauen und auch den „Park“ entsprechend gestalten. Neben dem dort erhaltenen Baumbestand beeindrucken vor allem die unter Naturschutz stehenden gewaltigen Eichen am Haus. Die Gebäude des gegenüberliegenden Wirtschaftshofes sind seit einiger Zeit ungenutzt und verfallen. (Stand 7/2024)


Letzter Besitzer vor 1945: Dr. phil. Erwin Engelbrecht


2 km nordwestlich von Bartenstein (Bartoszyce)

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