Gehlweiden (Galwiecie)

Ehemaliger Landkreis: Goldap – Heutiger Kreis (Powiat): Gołdap

‍Auffahrt zur Frontseite

Etwa fünf Kilometer südlich der Grenze zu Nordostpreußen (heutige russische Exklave Kaliningrad) liegt das einstige Rittergut Gehlweiden. Die Geschichte des Anwesens, das am Ufer des Rakowkener Sees (Jeziorek Rakowek) angelegt wurde, begann im 16. Jahrhundert.

Markgraf Georg Friedrich verlieh am 6. August 1585 Moritz Stoltzner das Gut zu kulmischen Recht. Am 26. September 1612 genehmigte Kurfürst Johann Sigismund dem Antonius Freitag den Verkauf von Gehlweiden an Reinhard von Halle, kurfürstlicher Jägermeister des Herzogtums Preußen und Amtshauptmann zu Rhein. Am 21. Dezember 1616 und 24. August 1617 verschrieb der Kurfürst ihm zusätzliche Ländereien zum Gut. Einer der nachfolgenden Eigentümer war um 1664 Christian von der Diehle.

Am 16. April 1726 kaufte der aus der polnischen Adelsfamilie stammende Daniel von Wierzbicki das Anwesen für 7600 Gulden. Gehlweiden blieb fast einhundert Jahre im Besitz der Familie. Nach dem Tod vom preußischer Generalmajor und Rittergutsbesitzer Heinrich Friedrich Ernst von Corvin-Wiersbitzki im Jahr 1823 verkauften es die Erben. Neuer Besitzer der Gehlweidener Ländereien, zu denen auch die Vorwerke Ostrowken und Rakowken gehörten, wurde 1832 Familie von Horn. Im Jahr 1879 war Emil von Horn Eigentümer des 1156 Hektar großen Gutes. Es wurden eine Brennerei, eine Ziegelei und eine Rossmühle betrieben sowie Holländer Vieh (Rinder) gezüchtet. Emil von Horn verstarb 1900.

Arthur Stössel von der Heyde erwarb das Anwesen 1906. Nachdem dieser 1916 verstarb, führte seine Ehefrau Helene das Gut. Anfang der 1920er Jahre gab es auf dem mit Vorwerk Ostrowken 644 Hektar großen Anwesen 220 Rinder, 250 Schafe und 70 Pferde. Aus finanziellen Gründen musste die Besitzerin um 1930 das Gut an die Ostpreußische Bau- und Siedlungsgesellschaft m.b.H. verkaufen. Die Ländereien wurden aufgesiedelt und in Neubauernhöfe aufgeteilt. Auf dem Restgut mit dem Herrenhaus entstand um 1935 ein Reichsarbeitsdienst-Lager für die weibliche Jugend.

Das ehemalige Herrenhaus ließ die Familie von Horn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 eroberte die russische Armee Gehlweiden. Nach dem Rückzug wurde das Gebäude in Brand gesetzt und dabei stark zerstört. Der Wiederaufbau orientierte sich am ursprünglichen spätklassizistischen Stil. Das auf rechteckigem Grundriss errichtete Herrenhaus ist ein zweigeschossiger Bau mit erhöhtem Erdgeschoss und ausgebautem Dachgeschoss. Ein Walmdach deckt den Bau. Ein Portikus mit zwei ionischen Säulen als Mittelrisalit gliedert die Haupteingangsfassade, ein breiter zweigeschossige Mittelrisalit die andere Längsfassade. Quaderputz und schlichte Dekorelemente sind Architekturdetails.

Das Herrenhaus blieb im Zweiten Weltkrieg unbeschädigt. Nach 1950 wurde der Innenbereich zu einer Ausbildungsstätte für Rinderzüchter umgebaut. Die Schule blieb bis in die 1970er Jahre in Betrieb. Ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb übernahm nach der Schließung die Anlage. Im Herrenhaus entstanden Wohnungen für die Angestellten.

Im Laufe der Zeit erfuhr das Gebäude Umbauten. So wurden unter anderem im Obergeschoss größere Fenster eingebaut. Einige Fenster und die Eingangstüren im Erdgeschoss blieben im Original erhalten. Während die Dekorelemente mit dunkler Farbe hervorgehoben wurden, erhielt die Fassade einen hellen Farbanstrich, der jedoch bereits zum Teil wieder abblättert. Insgesamt macht das Gebäude von außen einen etwas ungepflegten Eindruck.

Vom ehemaligen Landgut Gehlweiden sind bis heute außer dem Herrenhaus einzelne Wirtschaftsgebäude erhalten geblieben, die umgebaut nun jedoch anderen Zwecken dienen.

Eine Scheune wurde ebenso abgerissen wie die aus dem 19. Jahrhundert stammende Kapelle auf dem ehemaligen Gutsfriedhof. Fast alle alten Bäume des Gutsparks wurden in den 1980er Jahren gefällt.

Die alte Kopfsteinpflasterzufahrt führt noch heute zum einstigen Herrenhaus, das bewohnt ist. Mehrere Familien erwarben es gemeinsam vor einigen Jahren. (Stand 7/2018)


Letzter Besitzer vor 1945: Staatliche Landwirtschaftsschule


10 km östlich von Goldap (Gołdap)

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