Glombowen (Głąbowo)

Ehemaliger Landkreis: Lötzen – Heutiger Kreis (Powiat): Giżycko

‍Blick von der Auffahrt

Das frühere Gut Glombowen liegt am westlichen Ufer des Orlener Sees (Jezioro Orło). 1938 wurde es in LEITHOF umbenannt. Die Geschichte des einstigen Rittergutes begann 1417, als Michael Küchmeister, 28. Hochmeister des Deutschen Ordens, dem Kundschafter des Ordens Jacob Leitzmann (Leidstmann) die dortigen Ländereien verschrieb. Anfang des 16. Jahrhunderts erhielt der spätere Namensgeber Bernard von Glembowe(Glombowe) das Gut zu Ritterdiensten. Leo Packmor, der als Söldner im Dienste verschiedener europäischer Herrscher stand, wurde im 16. Jahrhundert in Glombowen geboren. Er verstarb 1583 in Arnstadt/Thüringen.

In den folgenden Jahrhunderten wechselten mehrfach die Eigentümer des Anwesens. 1631 gelangte das Gut in den Besitz von Oberst Ernst Magnus Dönhoff. Nach seinem Tod tauschte seine Witwe Glombowen gegen ein anderes Gut. Im 17. Jahrhundert folgten noch die polnischen Adelsfamilien Borowski, Morskowski, von Königseck und im Jahr 1700 die von Packmohr. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Gut in den Händen der Familie Kolmar. Es gab eine Brennerei, eine Ziegelei und eine Windmühle. 1879 gehörten zu den 355 Hektar in Glombowen noch weitere 469 Hektar große Ländereien in anderen Landkreisen. Alfred Kolmar betrieb Pferde- und Rinderzucht sowie eine Kammwollschäferei und Wollkämmerei.

Die „Königsberg Hartungsche Zeitung“ vom 10.10.1912 informierte in der 476. Morgenausgabe 1. Blatt unter „Besitzwechsel“ auf Seite 3: „Das 2200 Morgen umfassende Rittergut Glombowen, Kreis Lötzen, ging für den Preis von 770 000 Mk. in den Besitz des Rentiers, früheren Landrats May in Seebad Zoppot über.“ Familie Feyersänger übernahm das Anwesen, zu dem die drei Vorwerke Heytebruch, Orlen und Sibirim gehörten. Ein Teil des Landes wurde dabei parzelliert. Züchtete die Familie 1921 vor allem Schafe und Rinder, betrieb sie im Jahr 1932 auf den 557 Hektar großen Ländereien vor allem Rinder- und Pferdezucht. Georg Feyersänger war der letzte deutsche Eigentümer von Glombowen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auf der ehemaligen Gutsanlage ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb.

Das einstige Herrenhaus wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Es ist ein zweigeschossiger Bau, an dem senkrecht zur Giebelwand ein zweiter Bau mit Seitenrisalit steht. Das Gebäude decken Satteldächer. Eine große geschlossene Eingangsveranda mit flachem Satteldach befindet sich an der Vorderfassade. Verzierte Sparrenköpfe und dekorative Architekturdetails schmücken diese Fassade.

Das Herrenhaus steht leer und verfällt. Putz bröckelt und legt an etlichen Stellen das Mauerwerk großflächig frei. An manchen Stellen ist das Dach undicht. Schornsteine, Fallrohre und Dachrinnen sind defekt oder fehlen ganz. Das Verandadach wird wohl in nicht allzu langer Zeit einstürzen. Etliche Scheiben der original erhaltenen Fenster und der Haupteingangstür fehlen. Die Öffnungen wurden nur zum Teil provisorisch verschlossen.

Das Herrenhaus steht zwischen dem Park und dem Wirtschaftshof. Auf dem Gutsgelände befindet sich heute ein Agrarbetrieb, welcher die alten, noch erhaltenen Wirtschaftsgebäude nutzt. Das Gut ist Privateigentum. (Stand 8/2021)


Letzter Besitzer vor 1945: Georg Feyersänger


3 km nördlich von Rhein (Ryn)

21 km südwestlich von Lötzen (Giżycko)

Zurück zur Übersicht