Ehemaliger Landkreis: Angerburg – Heutiger Kreis (Powiat): Węgorzewo
Steinort, eines der bedeutendsten und größten Güter des ehemaligen Ostpreußens, war über Jahrhunderte der Stammsitz der Adelsfamilie Grafen von Lehndorff und das Herrenhaus in Groß Steinort der Mittelpunkt des Großgrundbesitzes.
1423 kaufte Jacob von Maulen (1390-1457), ein Vorfahre der Familie von Lehndorff, Ländereien der „Steinortschen Wildnis“. Er gehörte zum preußischen Uradelsgeschlecht, das sich zuerst Maul, dann Legendorf nannte. Nach der Übersiedlung nach Ostpreußen nahm es den Namen von Lehndorff an. Die älteste vorhandene Verleihungsurkunde wurde am 6. April 1554 vom Markgraf Albrecht zu Brandenburg ausgestellt. Darin bestätigte er den Brüdern Caspar, Fabian und Melchior von Lehndorff, den Erben und Nachkommen den Besitz ihrer Vorfahren von neuem. Die ursprünglichen Urkunden waren in vergangenen Kriegen abhandengekommen. Am 29. Mai 1560 beurkundete der Markgraf, dass Caspar von Lehndorff, Hauptmann zu Preußisch Eylau, nach Teilung der väterlichen Güter die Ländereien Steinorts nach Magdeburger Recht erhielt. Fast vier Jahrhunderte blieb die Besitzungen Eigentum der Familie von Lehndorff. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Heinrich Graf von Lehndorff im Zuge der nationalsozialistischen Sippenhaft und Repression vollständig enteignet. Damit verlor die Familie ihre gesamten Ländereien. Heinrich Graf von Lehndorff wurde am 4. September 1944 hingerichtet.
Aufgrund zahlreicher Publikationen zur Geschichte des ehemaligen Herrenhauses Steinort, seinem letzten Besitzer Heinrich Graf von Lehndorff und seiner Familie verzichte ich auf eine Beschreibung des Gebäudes.
Das Herrenhaus Steinort ist das Hauptprojekt der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz. Ende 2009 ging es in das Eigentum der polnischen Schwesterstiftung, der Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytków Kultury über. Vor allem mit Fördermitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), des Polnischen Ministeriums für Kultur und nationales Erbe sowie privaten Spenden aus Deutschland konnte das Bauwerk notgesichert und damit vor dem Einsturz bewahrt werden. Neben den beiden Stiftungen, die sich die Sanierung des Herrenhauses zum Ziel gesetzt haben, engagiert sich die Lehndorff-Gesellschaft Steinort e.V. ebenfalls für die Rettung dieses historischen Gebäudes.
Anfang Dezember 2019 eröffnete ein Informationszentrum in einem Seitenflügel des Schlosses seine Türen. Ausstellungstafeln informieren über die Anfänge der Besiedlung Steinorts, über die Vergangenheit und Zukunft des Schlosses sowie über das Leben seines berühmtesten und letzten Besitzers Heinrich Graf von Lehndorff.
Die Sicherungsarbeiten an der Lehndorffschen Erbbegräbnisstätte, welche auf einer Halbinsel am Steinorter See (Jezioro Sztynortckie) liegt, fanden Mitte August 2021 ihren Abschluss. Während im Inneren des Bauwerks weitere Sanierungsarbeiten erfolgen müssen, erstrahlt nun das Äußere wieder in seiner einzigen Schönheit. Der Friedhof wurde freigelegt und vom Wildwuchs befreit.
Das neoklassizistische Teehaus und die kleine neogotische Kapelle, die sich an den Enden der zum Schloss parallel verlaufenden Eichenallee im Park befinden, sind notgesichert und warten ebenfalls auf die Sanierung.
Die Fotos stammen aus den Jahren 2018 und 2021.
Letzter Besitzer vor 1945: Heinrich Graf von Lehndorff (1944 zwangsenteignet)
19 km südwestlich von Angerburg (Węgorzewo)
27 km nördlich von Lötzen (Giżycko)