GROß TIPPELN (TOPOLNO WIELKIE)

Ehemaliger Landkreis: Preußisch Holland – Heutiger Kreis (Powiat): Elbląg

‍Ruine des Herrenhauses

Im Jahre 1582 erhielt ein Fabian von Zehmen die Rechte über mehrere Ländereien, zu denen auch Groß Tippeln gehörte. Während des Schwedisch-Polnischen Krieges wurde der Ort von polnischen Plünderern ausgeraubt. Etwa Mitte des 18. Jahrhunderts war der preußische Generalmajor Johann Wenzel von Zastrow Eigentümer von Groß Tippeln. Eine Zeit lang diente das Gut als Vorwerk des benachbarten Hohendorf (Wysoka). Um 1820 gehörte das Anwesen einem Oberst von Jannewitz. Ein Großbrand zerstörte am 4. November 1841 Ställe, Scheunen mit Getreide und landwirtschaftliche Geräte. Major Adolf von Besser, Gutsbesitzer von Powunden (Powodowo), kaufte dann das Gut und zog nach Groß Tippeln. Ende des 19. Jahrhunderts übernahm den Besitz ein Wilhelm Schmidt, der das Gut bis 1925 besaß. Letzter Eigentümer war Maximilian Worczewski, der das 343 Hektar große Gut gemeinsam mit seiner Frau Maria von 1929 bis 1945 bewirtschaftete. Während des Zweiten Weltkrieges arbeiteten polnische Zwangsarbeiter, französische und italienische Kriegsgefangene auf dem Gut. Am 22. Januar 1945 ging der Gutstreck in Richtung Alt Dollstädt (Stare Dolno) auf die Flucht. Die Rote Armee besetzte das Anwesen und bewirtschaftete es für eine lange Zeit. Otto Schwarz, der letzte Ortsvorsteher von Reichenbach (Rychliki), wurde dort 1945 wegen Arbeitsverweigerung erschossen. Später entstand auf dem Gutsgelände ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb, der die Anlage bis 1990 nutzte.

Das ehemalige Herrenhaus, errichtet in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war ein eingeschossiger Bau auf rechteckigen Grundriss. 1885 wurde das Gebäude an beiden Seiten unter Beibehaltung des hohen Mansardendachs verlängert. Zweigeschossige Mittelrisalite, die ebenfalls mit einem Walmdach gedeckt waren, gliederten die Längsseiten des Hauses. Vor dem Risalit der Vorderfassade befand sich ein massiver Vorbau mit einem darüber liegenden Balkon. Gequaderte Lisenen betonten die Hausecken und Risalite. An den Fassaden befanden sich dekorative Dekordetails.

Zwei Brände, deren Ursachen nie aufgeklärt wurden, zerstörten 1995 das im Privatbesitz befindliche Herrenhaus. Die Ruine ist von Sträuchern und kleinen Bäumen umwuchert.

Der einstige Landschaftspark, den ein Bach durchfließt und in dem es mehrere Teiche gab, verwilderte. Jedoch blieb der bis zu 250 Jahre alte artenreiche Baumbestand, neben den einheimischen Baumarten unter anderem auch Schwarznuss und Weymouth-Kiefer, zum großen Teil erhalten. Die ehemalige Gutsanlage und die in den 1860er Jahren erbaute Wassermühle haben die Zeiten nicht überlebt. (Stand 8/2020)


Letzter Besitzer vor 1945: Maximilian Worczewski

13 km südwestlich von Preußisch Holland (Pasłęk)

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