Kirschbaum (Kierzbuń)

Ehemaliger Landkreis: Allenstein – Heutiger Kreis (Powiat): Olsztyn

‍Vorderfassade

Am 8. September 1378 begann die Geschichte des einstigen Rittergutes Kirschbaum, als Heinrich III. Sorbom, Bischof von Ermland, dem Bistumsvogt Bartholomäus Kirschbaum, alias Schade, die Ländereien der später getrennten Güter Kirschbaum und Bartelsdorf zu Kulmer Recht verlieh. Am 10. Dezember 1649 wurde das im Besitz der ermländischen Bischöfe befindlich Gut durch Hiacynt Karwat neu belehnt. Nach ihm war das Anwesen, zu dem das Vorwerk Pirk gehörte, im 17. und 18. Jahrhundert in den Händen der Familien Maluk, Deboli (de Baulieu) und Birckhahn. Nach 1772 gelangte das Gut durch die Annexion Ermlands in den Besitz des preußischen Staates, der es als Privateigentum verkaufte. Das Anwesen wurde 1789 Eigentum derer von Claußen, ihr folgte von 1794 bis circa 1817 die Familie von Matthy. Nachfolgende Gutsbesitzer waren die Zielaskowskis, die Mitte des 19. Jahrhunderts auch eine Spiritusbrennerei betrieben. Die Erben verkauften das Gut um 1900. Nach kurzem Eigentümerwechsel erwarb Curt Groddeck 1908 von einem Herrn Dehnke das 540 Hektar große Anwesen. 1921 gehörte zum Gut weiterhin die Brennerei, es wurden Rinder und Pferde gezüchtet sowie eine Herde von 250 Schafen gehalten. 1932 hatte das Anwesen eine Fläche von 514 Hektar davon 125 Hektar Forstwirtschaft. Der Schwerpunkt lag in der Rinderzucht und Schweinemast, es wurden intensiv Kartoffeln und Getreide angebaut sowie eine Kartoffelsaatzucht betrieben. Curt Groddeck beschäftigte 50 Landarbeiter. Er bewirtschaftete das Gut bis 1945.

Das eingeschossige Gutshaus wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einer kleinen Anhöhe erbaut. Die Längsseiten des Gebäudes werden jeweils durch einen zweigeschossigen Mittelrisalit gegliedert. Eine steinerne Treppe führt zum Haupteingang des Hauses. Unter der Treppe führt eine Rundbogentür in den hochangelegten Keller. Die Fassade ist mit wenigen Dekorelementen recht schlicht, der Sockel mit Natursteinen gestaltet.

Am 26. Januar 1945 wurde das Gut von Soldaten der Roten Armee eingenommen und der sowjetischen Kommandantur unterstellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auf dem Anwesen ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb.

Das ehemalige Gutshaus zeigt sich von außen im renovierten Zustand. In den letzten Jahren erfuhr das Gebäude einige Umbauten, die sicher der heutigen Nutzung geschuldet sind. So erhielt das Dachgeschoss sechs weitere Gauben, einige Fenster wurden zugemauert und in eine Giebelseite des Hauses wurde eine Tür eingebaut.

Neben dem Wohnhaus sind Wirtschaftsgebäude, ein Teil des Parks mit dem Weiher und die Ruine einer Kapelle erhalten geblieben.

Die gepflegte Anlage ist heute Privatbesitz und wird als Reiterpension („Stadnina Koni Kierzbuń“) und Gestüt betrieben. Zwischen Pferdeweiden führt eine lange, recht rustikale Allee, gesäumt von alten hohen Bäumen, zum Gutsgelände. (Stand 7/2019)


Letzter Besitzer vor 1945: Curt Groddeck


17 km südwestlich von Bischofsburg (Biskupiec)

14 km südöstlich von Wartenburg (Barczewo)

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