MERTENHEIM (MARTIANY)

Ehemaliger Landkreis: Lötzen – Heutiger Kreis (Powiat): Kętrzyn

Ende des 14. Jahrhunderts findet Mertenheim erstmals Erwähnung. Im Jahre 1785 war das Dorf preußischer Königsbesitz und bestand aus 20 Hütten. Ein Gut findet zu dieser Zeit noch keine Erwähnung. Erst 1866 wurde Land für das Gut vom Dorf abgetrennt und ging in den Besitz der Familie Krause über. Neben dem Gutshaus wurden auf dem groß angelegten Wirtschaftshof bis Ende des 19. Jahrhunderts Wirtschaftsgebäude und Kuhstall errichtet.

 „Das Gut Mertenheim lag an der Hauptstraße Königsberg-Lötzen-Lyck. Das Gelände war wellig und hügelig und wurde von einem landschaftlich besonders reizvollen Bach durchfloßen. Drei Seen lagen an den Grenzen des Besitzes. Kiefern, Fichten und Birken bildeten Waldungen oder Gehölze mit guten Unterschlupfen für das Wild. Die Wege, die als Birken- und Kiefernalleen durch das Nutzland führten, waren besonders charakteristisch für das masurische Landschaftsbild. In solch malerischer Gegend war Walter Krause aufgewachsen, dort waren er und die Seinen heimisch und verwurzelt mit der Scholle.

Zum Gutbetrieb gehörten ein Haupthof, ein Vorwerk, acht Arbeiterhäuser, zwei Miethäuser und eine Windmühle. Es wurden ständig 14 Deputantenfamilien beschäftigt, sechs weitere Familien wohnten zur Miete. Gewöhnlich arbeiteten täglich 20 Menschen im Betrieb, in der Saison bis zu zwanzig weitere Arbeitskräfte. Auch die Landarbeiterfamilien waren größtenteils bodenständig, einige sogar seit Generationen mit dem Betrieb verbunden.

Der Einheitswert des Gutes lag etwa auf dem Durchschnitt südostpreußischer Bewertung. Die Besetzung mit lebendem Inventar entsprach der intensiven Wirtschaftsform. Zwei Kaltbluthengste, zwei Zuchtbullen und ein Zuchteber sorgten für den erforderlichen Nachwuchs. Die Milchviehherde bestand aus 42 Leistungskühen. Ungefähr 60 Stück Jungvieh waren vorhanden, dazu bis 1939 mehr als 100 Schafe.

Es wurden 16 Arbeitspferde, zwei Pferde für den Milchwagen, ein Reitpferd und etwa 16 Fohlen gehalten. Die Pferde waren die Lieblingstiere und der besondere Stolz des Gutsherrn. In dieser Zucht war er besonders erfolgreich. Die Muttertiere verrichteten bis zur Hochträchtigkeit ihre Arbeit im Gespann.

Die Ausstattung des Betriebes mit totem Inventar entsprach normalen Verhältnissen. An Maschinen waren u. a. ein Trecker von 45 PS mit Anhängegeräten (Tiefkulturpflug, Selbstbinder), ein Dampfdreschsatz und ein Höhenförderer vorhanden.

Von den Erträgen des Gutes lebten etwa 20 Familien. Darüber hinaus kamen alljährlich zum Verkauf: etwa 2000 Zentner Roggen, 500 Zentner Sommerung, 2000 Zentner Kartoffeln, 20 Stück Rindvieh, 20 bis 30 Schlachtschweine und Ferkel und sechs bis acht Kaltblutpferde.

Dieser Überschuß an Tieren und Feldfrucht ist beispielhaft für den landwirtschaftlichen Überschuß in Ostpreußen überhaupt.“

(„Das Ostpreußenblatt“ Jahrgang 6/Folge 51 vom 17.12.1955, S.11)

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land parzelliert und auf dem Gutshof ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb eingerichtet.

 

Eine große Zufahrt führt von der Dorfstraße, an der das einstige Gutshaus direkt steht, auf den Wirtschaftshof. Das einstöckige Gebäude wurde auf rechteckigen Grundriss mit einem Natursteinsockel errichtet und einem Satteldach gedeckt. Ein zweigeschossiger Mittelrisalit mit einem Dreiecksgiebel gliedert die Vorderfassade, die zum Wirtschaftshof zeigt. An der Fassade sind noch einfache klassizistische Dekorelemente erhalten. Die Fenster einer Haushälfte wurden bereits erneuert, das Dach gedeckt und die Schornsteinköpfe neu gemauert.

 

Der Gutshof ist heute in Privatbesitz. Das Gutshaus wird von mehreren Familien bewohnt. (Stand 8/2021)


Letzter Besitzer vor 1945: Wilhelm Krause

12 km südöstlich von Rastenburg (Kętrzyn)

20 km westlich von Lötzen (Giżycko)

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