Ehemaliger Landkreis: Sensburg – Heutiger Kreis (Powiat): Mrągowo
Das ehemalige Gut Peitschendorfswerder, nach 1785 auch Peitschendorfsch Werder, war ein am südlichen Ufer des Großen Wrongelsees (Jezioro Wągiel) angelegter, ursprünglich nur mittelgroßer Bauernhof. 1871 befand sich das Gut, auf dem zu dieser Zeit überwiegend Schweine und Rinder aber auch Pferde und Schafe gehalten wurden, im Besitz von Friedrich Sadowski. Von ihm übernahm kurze Zeit später Otto Graf von Schwerin, der fast 24 Jahre als Landrat von Sensburg tätig war, das kleine Anwesen. Er vergrößerte den Hof, ließ um 1874 den südwestlich gelegenen Kleinen Wrongelsee trockenlegen, wobei der Wasserspiegel um 6,24 m gesenkt wurde, und dort eine Hopfenplantage von 20 Hektar errichten. Es entstanden Gewächshäuser, der Park wurde angelegt. Otto Graf von Schwerin verstarb 1892. Das 75 Hektar große Gut gelangte in die Hände seines Sohnes Georg, der ihm auch als Landrat folgte. Georg übergab später seinem Sohn Richard das Adelsgut, an dem dieser jedoch kein Interesse zeigte. Richard Graf von Schwerin, dem Militärdienst verpflichtet, verpachtete den Hof an Arnold Siegder, dem Besitzer der Mühle in Machar. 1922 findet ein Herr Schmidt als Pächter Erwähnung. Anfang der 1930iger Jahre wurde Major Max Haedge-Medicus Eigentümer des Anwesens samt dem Großen Wrongelsee und dem Gebiet des trockengelegten Kleinen Wrongelsees. Von etwa 1939 bis 1945 verwalteten Eberhard von Alten und sein Vater Georg, Domänenpächter in Neuendorf (Samland), das Gut.
Den Einmarsch der sowjetischen Soldaten und die folgenden Plünderungen überstanden der Wirtschaftshof und das Gutshaus relativ unbeschadet. Ab den 1950iger Jahren wurde das Anwesen landwirtschaftlich genutzt und diente einem Bauunternehmen aus Kętrzyn als Erholungseinrichtung. Im ehemaligen Gutshaus entstanden Büros und eine Küche. Von der Veranda, die als Speiseraum diente, ging es hinunter in den gepflegten Park und Garten. Anfang der 1970er Jahre übernahm die Universität Olsztyn das Ferienzentrum. Der staatliche Landwirtschaftsbetrieb wurde im folgenden Jahrzehnt aufgelöst. Die einstige Gutsanlage gelangt mit dem Wohnhaus nach 1990 in private Hände.
Auf einer Anhöhe wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das ehemalige Gutshaus als hochunterkellertes Kniestockhaus auf rechteckigem Grundriss errichtet. An der östlichen Fassadenseite des mit einem Satteldach gedeckten Gebäudes ist eine Veranda, die fast die gesamte Breite der Hauswand einnimmt und deren Treppe hinab in Richtung des einstigen Parks geht. Von einem kleinen, mit Satteldach gedeckten Anbau der Westfassade führt ein seitlicher Eingang ins Gebäude. An der südlichen, zum Wirtschaftshof gelegenen Giebelseite befindet sich ein weiterer Hauseingang, davor eine hohe, breite Treppe. Der hohe Sockel aus Natursteinen und schlichte Dekorelemente gliederten einst den Bau.
Das Gutshaus ist eine Ruine. Große Teile des Daches sind eingestürzt. Gras und kleine Bäume wachsen aus den Mauern und auf dem Dach. Die Fenster- und Türöffnungen wurden notdürftig mit Brettern vernagelt. Die großflächigen Fensterscheiben der Veranda sind zerschlagen. Auch das Innere des Hauses fiel der mutwilligen Zerstörung zum Opfer.
Die gesamte alte Gutsanlage zeigt sich in desolatem Zustand. So wie das frühere Wohnhaus sind auch die wenigen noch existierenden Wirtschaftsgebäude dem Verfall preisgegeben. Die Parkanlage, die sich einst bis zum Seeufer hinunterzog, wurde durch großräumige Rodungsarbeiten komplett zerstört.
Auf dem nördlichen Teil der ehemaligen Gutsanlage entstand die Ferienanlage „Ośrodek Wczasowy Ostrów Pieckowski“. (Stand 4/2025)
Letzter Besitzer vor 1945: Max Haedge-Medicus
13 km südlich von Sensburg (Mrągowo)