Raudischken (Rudziszki)

Ehemaliger Landkreis: Gerdauen – Heutiger Kreis (Powiat): Węgorzewo

‍Ansichtskarte von 1900-1915

Die Geschichte des einstigen Rittergutes Raudischken, das am 16. Juli 1938 in RAUDINGEN umbenannt wurde und sich heute nur zwei Kilometer südlich der Grenze zu Nordostpreußen (heutige russische Exklave Kaliningrad) befindet, begann im 17. Jahrhundert. Die Gründung fand erstmals 1627 urkundliche Erwähnung, als Dietrich von Schlieben es zur weiteren Besiedelung seiner großen Ländereien anlegen ließ. Nach fast anderthalb Jahrhunderten im Besitz derer von Schlieben veräußerte die Familie das Gut. Friedrich Casimir Freiherr von Funck aus Kurland erwarb 1771 das Anwesen. Nach seinem Tod verkauften die Erben das Gut, das in den Folgejahren durch die Hände verschiedener Eigentümer ging. Eduard Hasford war ab etwa 1835 im Besitz von Raudischken. 1844 gründete er das 200 Hektar große Vorwerk Waldhof. Später gehörte auch das Vorwerk Bräsigswalde zum Landbesitz.

Otto von Below kaufte 1906 das Gut Raudischken, wobei ihn sein Schwiegervater Wilhelm Graf von Zitzewitz bei der Finanzierung unterstützte. Bräsigswalde ging auch in den Besitz von Belows über, ein anderer Käufer übernahm Waldhof. 1922 hatte das Anwesen eine Größe von 780 Hektar, es wurde vor allem Vieh- und Pferdezucht betrieben. Neben 229 Rindern, 76 Pferden und 78 Schweinen gab es auch eine Schafherde. Infolge der Wirtschaftskrise der 1920er Jahre wurde das Gut um 1930 an die Ostpreußische Siedlungsgesellschaft verkauft, die das Land in Neubauernhöfe parzellierte. Das Restgut mit dem Herrenhaus, dem Park, Wald und 20 Hektar Acker blieb bis zu ihrer Flucht am 19. Januar 1945 Eigentum der Familie von Below.

Das Vorwerk Bräsigswalde erwarb Edmund Lemke nach der Aufsiedlung. Er bewirtschaftete das nun eigenständige Gut bis zu seiner Flucht 1945. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Anwesen nördlich der polnisch-sowjetischen Grenze. Heute existiert der Ort nicht mehr.

Die Erbauung des Herrenhauses und seiner neobarocken An- und Umbauten erfolgten über einen langen Zeitraum und gehen bis auf das 17. Jahrhundert zurück. Das zweigeschossige Haupthaus wurde auf rechteckigem Grundriss errichtet. Ursprünglich deckte ein hohes Mansarddach das Gebäude. Flache Mittelrisalite mit barocken Schweifgiebeln gliederten einst die Längsseiten des Baus. Eine ovale Auffahrt führt zum Haupteingang der Vorderfassade. Vor dem Risalit der Parkseite befindet sich eine massive, verglaste Veranda mit einem darüberliegenden Balkon mit gemauerter Brüstung. Lisenen schmücken das Gebäude. Ein Flügelanbau wurde senkrecht am Südgiebel des Hauptgebäudes errichtet. 1910 erfolgte eine Erweiterung mit dem Gutsbüro, Küchenräumen und weiteren Räumlichkeiten. Im Ersten Weltkrieg flüchtete die Familie von Below vor den nahenden Kampfhandlungen. Russische Soldaten zerstörten Teile des Gebäudes. Nach ihrer Rückkehr ließen die Eigentümer die Schäden reparieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bezog der polnische Grenzschutz das ehemalige Herrenhaus. Später nutzte die Psychiatrische Klinik Węgorzewo (Angerburg) den Bau.

Ein Brand zerstörte um 1950 unter anderem das Dach des Hauptgebäudes. Beim Wiederaufbau wurde dessen Mansarddach durch ein Walmdach ersetzt, die Schweifgiebel der beiden Risalite nicht wieder errichtet.

Der Getreidespeicher von 1922, Wirtschaftsgebäude sowie der im englischen Stil angelegte Park mit seinem alten Baumbestand und den drei Teichen überstanden wie das Herrenhaus die Zeiten.

Das Herrenhaus steht derzeit zum Verkauf (Stand 9/2026).


Letzter Besitzer vor 1945: Otto und Annemarie von Below


14 km nördlich von Angerburg (Węgorzewo)

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