ROSENORT (RÓŻANIEC)

Ehemaliger Landkreis: Braunsberg – Heutiger Kreis (Powiat): Braniewo

‍Parkseite

Unmittelbar am östlichen Ufer des Frischen Haffs (Zalew Wiślany) liegt das einstige Rittergut Rosenort.

In der Handfeste (Gründungsurkunde) der Stadt Braunsberg von 1284 findet das zum Grundbesitz der Stadt gehörende Gut Erwähnung. 1510 schenkte Lucas Watzelrode, Bischof  von Ermland, das damals bischöfliche Gut Rosenort mit den dazugehörigen Fischereirechten im Frischen Haff der Antonius-Präzeptorei zu Frauenburg unter Erfüllung bestimmter Auflagen. Aufgrund von Schulden gaben die Antoniter-Mönche, die in Frauenberg ein Hospital führten, das Anwesen neun Jahre später zurück.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts, während des Nordischen Krieges, musste die Stadt zum Unterhalt der schwedischen Besatzung gewaltige Summen aufbringen. Aus diesem Grund verpfändete der Rat der Stadt Landbesitz an den reichen Kaufmann Thomas Hanmann. Um 1710 ging Rosenort, wie auch Rodelshöfen und andere Güter,  in den Besitz des Kaufmanns über, da die Stadt Braunsberg nicht in der Lage war, die Schulden zurückzuzahlen. Gut Rosenort blieb einhundert Jahre in den Händen der Familie. Ende der 1880er Jahre wurde das Anwesen aus dem Großgrundbesitz der Familie Gramsch (Rodelshöfen) ausgesondert.

„Elbing, 7. Januar. (Besitzwechsel). Das zu Rodelshöfen gehörige Vorwerk Rosenort, ca. 15 Hufen, hat Rentier Koy in Braunsberg (früher in Elbing) für den Preis von 150 000 Mk. käuflich erworben. Herr K. will durch großen Betrieb das auf dem Gute befindliche Torflager ausbeuten da die Lage, unmittelbar am Haff eine wenig kostspielige Versendung nach Elbing, Braunsberg und Königsberg ermöglicht.“ (Thorner Presse, 8. Jahrgang, Nr.7, 9.1.1890, S.3)

Später führte die Familie von Oskar Jantzen das Gut. Aufgrund schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse musste es 1932 versteigert werden. Mit einer ersten Hypothek übernahm die Angestelltenversicherungsgesellschaft Berlin-Wilmersdorf die Anlage und übergab sie einem Treuhänder. Im März 1939 erwarb eine Familie Wichert den 242 Hektar großen Besitz. Durch das nahegelegene Haff waren die Wiesen sehr nass, was die landwirtschaftliche Nutzung erschwerte. Durch große Kraftanstrengung der Eigentümer und der durchgeführten Drainagearbeiten entstanden Ackerflächen. Die Familie hielt außerdem bis zu ihrer Flucht im Jahr 1945 Schweine und Rinder.

Das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf rechteckigem Grundriss errichtete Herrenhaus ist hochunterkellert. Den eingeschossigen schlichten Bau deckt ein Walmdach mit Gauben. Ein Mittelrisalit gliedert die Fassade der Parkseite. An der südlichen Giebelseite befindet sich ein kleiner Vorbau, von dem es aus in den Keller geht. Eine Treppe führt zum Nebeneingang des Hauses.

Das Gebäude zeigt sich von außen in einem recht guten Zustand. Vor einigen Jahren wurden Fassade und Fenster des Wohnbereichs erneuert. An einer Stelle der Parkseite zeigt sich vermutlich durch eine defekte Dachrinne jedoch ein Wasserschaden. Dort bröckelt der Putz. Die Fenster der Gauben sind noch im Original erhalten. Das in den letzten Jahren errichtete Vordach der Haupteingangstür wirkt recht überdimensioniert und wurde mit einem Walmdach gedeckt.

Das mit der südlichen Giebelseite zur alten Allee stehende Herrenhaus befindet sich zwischen dem Park, dessen alter Baumbestand gut erhalten ist, und dem Wirtschaftshof, dessen einzig noch existierende große Stallgebäude dem Verfall preisgegeben ist.

Das Herrenhaus ist derzeit nicht bewohnt. (Stand 12/2022)


Letzter Besitzer vor 1945: Familie Wichert

8 km westlich von Braunsberg (Braniewo)

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