SONNENSTUHL (ŚWIĘTOCHOWO)

Ehemaliger Landkreis: Heiligenbeil – Heutiger Kreis (Powiat): Braniewo

‍Südlicher Seitenflügel

Das 1361 erstmals urkundlich erwähnte Dorf Sonnenstuhl  war bis Mitte des 16. Jahrhunderts Grundbesitz der jeweiligen Landesherren. In dieser Zeit musste der Ort Abgaben zum Unterhalt der Burgkapelle Balga leisten. Ab 1560 hatte es der Vogt des Bischofs von Ermland, Hans von Pröck, zum Nießbrauch inne. Seine Enkelin Helene erbte später das Gut. Durch ihre Heirat mit dem preußischen Staatsmann Ahasverus von Brandt gelangte das Anwesen in die Hände der Familie von Brandt  und blieb bis 1747 in deren Besitz. Einer der folgenden Eigentümer war Johann Otto Gottfried von Beneckendorff, ein preußischer Landrat  und Rittergutsbesitzer von Keimkallen. Aufgrund schwerer Verwüstungen durch französische Soldaten während des Dritten Napoleonischen Krieges musste 1811 das Gut versteigert werden. Ein Jahr später erwarb es der Kaufmann und Stadtrat Michael Lange. Über einhundert Jahre blieb das 500 Hektar große Gut Eigentum der Familie Lange. Otto Graf von Schwerin auf Wildenhoff  kaufte 1929 das Anwesen. Die Ländereien wurden in Einzelbauernhöfe aufgesiedelt. Im Gutshaus richtete sich das Kreisaltersheim von Heiligenbeil ein.

Das ehemalige Gutshaus bestand eigentlich aus zwei Bauten. Das alte Gutshaus stammt aus dem 18. Jahrhundert. Um 1860 wurde ein weiteres Gutshaus im eklektischen Stil errichtet und so angefügt, dass ein U-förmiger Grundriss entstand. Ein eingeschossiges Kniestockhaus mit zwei Türmen an den Giebelseiten bildete nun die westliche Vorderfassade. Davor befand sich eine große kreisförmige Auffahrt, deren Mitte ein Brunnen zierte. Am südlichen Seitenflügel verband ein zweigeschossiger Bau einen der Türme mit dem alten Gutshaus. Breites Gesims und Pseudozinnen krönten die beiden zweigeschossigen quadratischen Türme, die mit Rundbogenfenstern errichtet wurden. Der nördliche Seitenflügel zeigte zum Park.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gutshaus teilweise zerstört. Während der ältere Gebäudeteil bewohnt ist, verfällt der im 19. Jahrhundert errichtete Bau immer mehr. Die wenigen noch vorhandenen Dekorelemente geben einen kleinen Eindruck von den einst mit Architekturdetails reich geschmückten Fassaden.

Im Gegensatz zum Wirtschaftshof hat der Landschaftspark mit seinen monumentalen Eichen und Buchen sowie der Hainbuchenallee die Zeiten überlebt. (Stand 8/2022)


Letzter Besitzer vor 1945: Gutshaus: Kreisaltersheim von Heiligenbeil / Gut: Aufsiedlung

6 km östlich von Braunsberg (Braniewo)

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