Ehemaliger Landkreis: Angerburg – Heutiger Kreis (Powiat): Węgorzewo
Das am Westufer des Stobbensees (Jezioro Pniewskie) angelegte, einstige Rittergut Stobben wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gegründet. In einer am 28. Mai 1570 vom Markgrafen Albrecht zu Brandenburg ausgestellten Verleihungsurkunde findet Klein Mauer (das spätere Stobben) Erwähnung. Im Gebiet der Steinort-Wälder gegründet, gehörte es damit zum Großgrundbesitz des Caspar von Lehndorff, Hauptmann zu Preußisch Eylau. Als eines der Vorwerke von Groß Steinort wurde es von Pächtern oder Verwaltern geleitet.
Karl Meinhard Graf von Lehndorff-Steinort war im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts vorletzter Besitzer des Anwesens. 1921 hielt Oscar Busch, der bereits seit einigen Jahren den Hof gepachtet hatte, 35 Pferde, 85 Rinder, 30 Schafe und 20 Schweine. Trotz der vielfältigen Aufgaben als Gutsfrau begann seine Frau Frida 1924 in Stobben Erzählungen zu schreiben. Romane der Schriftstellerin handeln in ihrer ostpreußischen Heimat.
Herbert Langanke verwaltete im Jahr 1932 das 265 Hektar große Gut.
Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Heinrich Graf von Lehndorff im Zuge der nationalsozialistischen Sippenhaft und Repression vollständig enteignet. Damit verlor die Familie ihre gesamten Ländereien. Heinrich Graf von Lehndorff wurde am 4. September 1944 hingerichtet.
Das eingeschossige Gutshaus aus der Wende zum 19. Jahrhundert wurde auf rechteckigem Grundriss im schlichten, klassizistischen Stil erbaut. Ein Krüppelwalmdach deckt das mit einer symmetrisch angelegten Vorderfassade errichtete Gebäude. Ein Ochsenauge (Fledermausluke) als Gaube oberhalb der Eingangstür lockert die Dachfläche auf. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Haus um einen Anbau an der nördlichen Giebelseite erweitert. Am Südgiebel befindet sich der Zugang zum Keller. Dieser ist mit einem sehr flachen Satteldach gedeckt. Quaderputz ist dekoratives Gestaltungselement der Fassaden. Die Brüstung der Treppe zum Anbau schmücken zwei Steinkugeln.
Im einstigen Gutshaus arbeitete und wohnte der jeweilige Pächter oder Verwalter.
Nach 1945 nutzte ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb das Gutsgelände. Im Gutshaus wurden Büros und Wohnungen für Angestellte des Staatsgutes eingerichtet.
Während sich die Gebäude des angrenzenden Wirtschaftshofes in recht gutem Zustand befinden und genutzt werden, verfällt das im Privatbesitz befindliche Gutshaus langsam. Der Putz fällt großflächig von den Wänden, Wasser dringt ungehindert in das Mauerwerk, aus dem bereits Pflanzen wachsen. Die alte Treppe zum Haupteingang ist komplett verschwunden. Einige der originalen Fenster fehlen.
Gegenüber dem ehemaligen Gut befindet sich eine Schmiede aus dem 19. Jahrhundert. An der Südseite blieben Reste des Parks erhalten. (Stand 7/2018)
Es erfolgten Umbau- und Sanierungsmaßnahmen am Gebäude durch den Eigentümer. Die Ansicht des alten Gutshauses änderte sich deutlich. Der Anbau erhielt ein Dachgeschoss. Ein Krüppelwalmdach deckt nun den gesamten Bau. Es wurden Dachgauben eingebaut. An der Vorderfassade und der Hofseite befinden sich an den einstigen Eingangsbereichen Scheinrisalite, davor Säulen, die eine Überdachung tragen. (Stand 2/2024)
Letzter Besitzer vor 1945: Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort
13 km südwestlich von Angerburg (Węgorzewo)