Ehemaliger Landkreis: Angerburg – Heutiger Kreis (Powiat): Węgorzewo
Die Geschichte des einstigen Rittergutes Taberlack begann im Jahr 1412, als Heinrich von Plauen, 27. Hochmeister des Deutschen Ordens, einem Hans Schaffstädt das Gut Thawerlauken mit 52 Hufen zu Culmer Recht verlieh. Vier Jahre später wurde das Gut zwischen ihm und dem Litauer Markus Sorwille aufgeteilt, wobei dieser die „Wildnis von Drengfort“ zugesprochen bekam. Am 24. September 1416 beurkundete dies der Hochmeister Michael Küchmeister.
1423 kaufte Jacob von Maulen (1390-1457), ein Vorfahre der Familie von Lehndorff, 47 Hufen von Taberlack als Teil der „Steinortschen Wildnis“. Er gehörte zum preußischen Uradelsgeschlecht, das sich zuerst Maul, dann Legendorf nannte. Nach der Übersiedlung nach Ostpreußen nahm es den Namen von Lehndorff an.
Die älteste vorhandene Verleihungsurkunde wurde am 6. April 1554 vom Markgraf Albrecht zu Brandenburg ausgestellt. Darin bestätigte er den Brüdern Caspar, Fabian und Melchior von Lehndorff, den Erben und Nachkommen den Besitz ihrer Vorfahren von neuem. Die ursprünglichen Urkunden waren in vergangenen Kriegen abhandengekommen. Am 29. Mai 1560 beurkundete der Markgraf, dass Caspar von Lehndorff, Hauptmann zu Preußisch Eylau, nach Teilung der väterlichen Güter die Ländereien Steinorts nach Magdeburger Recht erhielt.
Zu diesen Besitzungen gehörte auch Gut Taberlack. Es war eines der Vorwerke von Groß Steinort und wurde von einem eigenen Verwalter geleitet. Über Jahrhunderte blieb Gut Taberlack Eigentum der Familie von Lehndorff. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Heinrich Graf von Lehndorff im Zuge der nationalsozialistischen Sippenhaft und Repression vollständig enteignet. Damit verlor die Familie ihre gesamten Ländereien. Heinrich Graf von Lehndorff wurde am 4. September 1944 hingerichtet.
1932 wurden auf dem 545 Hektar großen Gut Taberlack 73 Pferde, 210 Rinder (Ostpreußisches Herdbuchvieh), 120 Schweine sowie 80 Schafe gehalten. Von 1919 bis 1934 war Robert Carlsen, Generalleutnant der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg, Rittergutspächter von Taberlack.
Das ehemalige Gutshaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde um 1900 durch einen Anbau L-förmig erweitert. Beide Bauten sind eingeschossig und mit einem Satteldach gedeckt. Schlichte klassizistische Dekorelemente schmücken die Fassaden. Das Gebäude ist jedoch von außerhalb des Gutsgeländes nicht zu sehen.
Die Wirtschaftsgebäude befinden sich teilweise noch in gutem Zustand. Zwischen dem Wirtschaftshof und dem sehr gelichteten Park steht das Gutshaus.
Das einstige Gut Taberlack ist heute ein privater landwirtschaftlicher Betrieb. Wie zu alten Zeiten führt die mit alten Bäumen gesäumte Auffahrt zur Gutsanlage. (Stand 8/2021)
Letzter Besitzer vor 1945: Heinrich Graf von Lehndorff (1944 zwangsenteignet)
15 km südwestlich von Angerburg (Węgorzewo)