Ehemaliger Landkreis: Allenstein – Heutiger Kreis (Powiat): Olsztyn
Die Geschichte des am südlichen Ufer des Trautziger Sees (Jezioro Trackie) gelegenen Gutes Thalberg begann Mitte des 19. Jahrhunderts und ist eng verknüpft mit der des nahegelegenen Gutes Trautzig. Johann Georg Belian, ab dem 18. Dezember 1846 Eigentümer des Trautziger Anwesens, kaufte noch weitere Ländereien auf der gegenüberliegenden Seite des Sees und gab dem neu entstandenen Gut den Namen Thalberg. Sein Sohn Oskar, späterer Bürgermeister von Allenstein, verkaufte 1864 die Güter an August Anhut, der diese wiederum an Ludwig Hartmann. Die neuen Besitzer Thalbergs züchteten vor allem Herdbuchvieh (Rinder) und Pferde. Während Karl Hartmann mit seiner Frau Elisabeth 1922 außerdem noch eine Herde mit 41 Schafe hielten, widmete sich die Familie später der Zucht des deutschen Edelschweins. Bis Anfang 1945 bewirtschafteten die beiden Frauen Elisabeth und Anna Hartmann das 165 Hektar große Gut.
Das ehemalige Gutshaus, gelegen zwischen dem Wirtschaftshof und dem Park, wurde im Jahre 1912 auf rechteckigem Grundriss errichtet. Es ist ein eingeschossiges Kniestockhaus mit einem hochgelegenen Kellergeschoss und einem Wohnbereich unter dem Satteldach. Ein Scheinrisalit mit Dreiecksgiebel gliedert die Vorderfassade des Gebäudes. Eine dekorative steinerne Treppe führt hinauf zur massiven Eingangsveranda. Der Rundbogen der Eingangstür findet sich auch bei den vier großen Fenstern der Veranda wieder. Dekorelemente unter den Fenstern und das Rundfenster im Giebel des Risalits schmücken den Bau.
Familie Hartmann errichtete auf dem Wirtschaftshof eine Scheune, zwei Getreidespeicher, einen großen Kuhstall und einen Schafstall, der später als Schweinestall genutzt wurde.
Als die Sowjetarmee im Januar 1945 Thalberg einnehmen wollte, begann ein deutscher Scharfschütze aus dem Gutshaus auf sie zu schießen. Daraufhin erwiderten die Gegner das Feuer. Vermutlich starb der Schütze im Kugelhagel. Noch über siebzig Jahre später waren Einschusslöcher um die Fenster des Hauses herum zu sehen. Die sowjetischen Soldaten brannten die Scheune nieder.
Die einstige Gutsanlage wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von einem staatlichen Landwirtschaftsbetrieb übernommen. Die abgebrannte Scheune wurde wieder aufgebaut. Nach der Auflösung des Staatsgutes zu Beginn der 1990er Jahre ging das Anwesen in das Eigentum der Staatlichen Agentur für Landwirtschaftliche Immobilien über, die es verpachtete. Die Pächter bewirtschafteten den Hof landwirtschaftlich weiter. Ehemalige Angestellte des staatlichen Gutes blieben im Gutshaus wohnen.
Nach dem Kauf der Anlage durch die Pächter im Jahr 2002 entstand hier ein agrotouristischer Bauernhof. Die Gebäude des Wirtschaftshofes wurden dafür renoviert und umgebaut, später auch das Gutshaus. Dieses ist bewohnt. Reste des Parks blieben erhalten. (Stand 10/2026)
Letzter Besitzer vor 1945: Elisabeth und Anna Hartmann
Vorort (nordöstlich) von Allenstein