WEITZDORF (GRABNO)

Ehemaliger Landkreis: Rastenburg – Heutiger Kreis (Powiat): Kętrzyn

‍Ansicht von Norden

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hat das einstige Rittergut Weitzdorf (vor 1800 Rittergut Weitmansdorf) seinen Ursprung. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1945 betrieb die Familie Pavenstedt das etwa 600 Hektar große Gut. Der Betrieb spezialisierte sich auf die Zucht von Milchvieh und Arbeitspferden. Die Eigentümer investierten viel Geld in den Aufbau der Gutsanlage mit seinen Wirtschaftsgebäuden, dem Herrenhaus und dem Verwalterhaus. Dafür musste ein Teil des Waldes verkauft werden.

Die Bauten des Guts bildeten ein einzigartiges Ensemble. Die im Kreis angeordneten Wirtschaftsgebäude umgaben das Herrenhaus, das durch den Park vom Hof getrennt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bäume des Parks abgeholzt. Nur ein Gebäude des in Kreisform errichteten Wirtschaftshofes blieb erhalten.

Nach 1945 gehörte das nun staatliche Gut Grabno zum neugegründeten Landwirtschaftsbetrieb des Nachbarortes Smokowo (Drachenstein). Im ehemaligen Herrenhaus waren Wohnungen für die Angestellten untergebracht. 1947 wurden während der „Aktion Weichsel“ (Akcja Wisła) Familien aus der Ukraine und der Region Vilnius dorthin zwangsumgesiedelt. Noch Anfang des 21. Jahrhunderts war ein Teil des Herrenhauses bewohnt.

Das zweigeschossige Herrenhaus wurde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts auf rechteckigem Grundriss errichtet. Ein Krüppelwalmdach mit Fledermausluken deckte das Haus. Ein Mittelrisalit mit Rundbogenfenstern und geschwungenem Giebel gliederte die Vorderfassade. Den Eingangsbereich betonte eine zurückgesetzte Veranda mit drei Arkadenbögen. Das Erdgeschoss verfügte über eine Treppenhalle mit Galerie und Oberlicht.

Das Herrenhaus ist wohl dem Verfall preisgegeben. Der Mittelteil des Gebäudes ist eine Ruine. Es fehlen Teile des Dachstuhls und der Außenmauern. Innenwände, Zwischendecken, tragende Balken sind verschwunden. Der Zustand des Hauses vermittelt den Eindruck, dass die verschwundenen Dachziegel und Ziegelsteine, fehlende Balken und Sparren woanders ihren Einsatz gefunden haben. Vom eingeschossigen Anbau an der südlichen Giebelseite stehen nur noch Mauerreste.

Das Herrenhaus ist in Privatbesitz. (Stand 8/2020)


Letzter Besitzer vor 1945: Familie Pavenstedt

8 km südwestlich von Rastenburg (Kętrzyn)

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