Wendehnen (Wandajny)

Ehemaliger Landkreis: Rastenburg – Heutiger Kreis (Powiat): Kętrzyn

‍Keine Fotos auf Wunsch der Besitzer

Die Geschichte des einstigen Ritterguts Wendehnen beginnt bereits im 14. Jahrhundert, als Winrich von Kniprode , 22. Hochmeister des Deutschen Ordens, im Jahre 1371 dafür die Gründungsurkunde unterschrieb. 1515 erhielt Dietrich von Schlieben nach Magdeburger Recht das circa 170 Hektar große Gut. Mit der Verleihung der Ländereien als Lehen an Caspar von Dargitz, Obersekretär des Markgrafen Albrecht von Brandenburg, kam das Anwesen 1568 in die Hände der Familie Dargitz. Das Gut blieb in den nächsten drei Jahrhunderten Sitz der Familie. So erbte es Melchior von Dargitz, Gouverneur von Pillau, im Jahre 1633 und später als letzter männlicher Erbe Eduard von Dargitz. Seine älteste Tochter Ida, verheiratet mit Hermann Schumann, erhielt nach dem Tod des Vaters 1849 den Hof. Da Frauen zu dieser Zeit nach geltendem Recht ein Anwesen nicht erben konnten, wurde Wendehnen, das 1879 eine Größe von 550 Hektar hatte, von der Groeben'schen Familienstiftung Langkeim unter formale rechtliche Aufsicht übernommen. Die Nachkommen der Familie Schumann verwalteten das Gut weiterhin.

Anfang des 20. Jahrhunderts übernahm Adolf Kosmack als Verwalter das Anwesen. 1912 bekam er von der Regierung den geheimen und verantwortungsvollen Auftrag, in seiner Tätigkeit als Administrator ein Remonteamt und Reichsbetrieb einzurichten. Er sollte einen umfassenden Plan erstellen, die drei nahe beieinanderliegenden Güter Wendehnen, Sußnick und Grützau zu einem großen Pferdezuchtamt für Remonten, das dann eine Fläche von fast 1000 Hektar besaß, zusammenzulegen und aufzubauen. Dazu gehörten auch die Planung und Errichtung weiterer Wirtschaftsgebäude, großer Ställe und Scheunen sowie Wohnhäuser für die neuen Arbeiter. Von privaten Züchtern aus ganz Ostpreußen wurden junge Pferde (Remonten) angekauft, um diese zu dressieren und dort für Einsätze an der Front und im Feld zu trainieren. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges kam im August 1914 der Befehl, die 420 Militärpferde in Richtung Westen zu evakuieren, was auch in kürzester Zeit gelang. Die russische Armee erreichte nur wenige Tage später das Gut und verwüstete dieses. Nach dem Krieg wurden die in Brand gesetzten Gebäude wieder aufgebaut.

Auf dem 1922 immer noch vom Reichsschatzministerium gepachteten Gut bestanden weiterhin die Remonte- und Jungviehzucht (326 Pferd, 220 Rinder, 150 Schafe) sowie die Meierei. Nachdem die deutsche Reichswehr infolge des Ersten Weltkrieges und der Bestimmungen des Versailler Vertrags verkleinert und die Remonteämter aufgelöst beziehungsweise umgewidmet wurden, übernahm die Mitteldeutsche Stickstoff-Werke A.G. Piesteritz (später die Bayerischen Stickstoffwerke AG) noch im selben Jahr die Anlage. Es entstand ein Versuchsgut für Tests mit modernem Kunstdünger auf großen landwirtschaftlichen Flächen. Adolf Kosmack übernahm auch hier die Leitung und blieb bis 1928 der Verwalter. Erich Rayber folgte ihm in dieser Funktion bis zu seiner Flucht im Jahr 1945.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb das Anwesen. Im Gutshaus wurden Wohnungen für die Angestellten und Büros eingerichtet. Ab 1995 stand es leer und verfiel.

Nichts erinnert mehr an das neben dem Park gelegene, eingeschossige Gutshaus, das Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. Zweigeschossige Mittelrisalite mit Dreiecksgiebeln gliederten die Längsseiten des mit einem Satteldach gedeckten Baus. Vor dem Risalit der Frontseite befand sich eine Veranda. Kleine ovale Fenster an jeder Hausseite, farbig abgesetzte Dekorstreifen im Putz und auch die Fensterläden schmückten die ansonsten schlichte, verputzte Fassade des Hauses.

Der Gutspark, einzelne Wirtschaftsgebäude und der alte Friedhof, auf denen nur noch Überreste von Grabsteinen existieren, sind letzte Zeugen des einst hier existierenden, an der Straße von Rößel nach Korschen gelegenen Rittergutes Wendehnen. (Stand 8/2026)


Letzter Besitzer vor 1945: von der Groeben'schen Familienstiftung


10 km nördlich von Rößel (Reszel)

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