RODELSHÖFEN (RUDŁOWO)

Ehemaliger Landkreis: Braunsberg – Heutiger Kreis (Powiat): Braniewo

‍Südliche Giebelwand / Gartenseite

Mit der Gründung eines Ritterguts begann bereits im 14. Jahrhundert die Geschichte von Rodelshöfen, das über Jahrhunderte ein sogenanntes Stadtdorf der Stadt Braunsberg (Braniewo) war. Während des Nordischen Krieges zu Beginn des 18. Jahrhunderts musste die Stadt gewaltige Summen zum Unterhalt der schwedischen Besatzung aufbringen. Aus diesem Grund verpfändete der Rat der Stadt Landbesitz an den reichen Kaufmann Thomas Hanmann. Um 1710 ging unter anderem auch Rodelshöfen in den Besitz des Kaufmanns über, da die Stadt Braunsberg nicht in der Lage war, die Schulden zurückzuzahlen.

Leopold von Goetzen erwarb 1835 das Anwesen. 1874 hatte das Gut eine Größe von 433 Hektar. Leopolds Tochter Anna und ihr Mann, Oberst Albrecht von Stosch, bewirtschafteten ab 1888 das Gut. Deren Tochter Charlotte heiratete den Verwaltungsjuristen Dr. Friedrich Karl Gramsch. Mit ihrem Mann, dem Landrat von Braunsberg, übernahm sie um 1918 das elterliche Gut. Zu dieser Zeit war das Anwesen 250 Hektar groß. Nach dem frühen Tod ihres Mannes leitete Charlotte Gramsch ab 1923 Gut Rodelshöfen, das sie bis zu ihrer Flucht Anfang 1945 führte.

Der Wehrmacht diente das Schloss ab Februar als Regimentsgefechtsstand, der am 10. März 1945 aufgegeben wurde. Unter den dort Stationierten befand sich der deutsche Offizier und spätere Vizekanzler Erich Mende. Die Ausstattung des Schlosses, zu der auch eine große Bibliothek gehörte, muss ihn so sehr beeindruckt haben, dass er in seiner Biografie „Das verdammte Gewissen. Zeuge der Zeit 1921–1945“ davon berichtete.

Eine Zeitlang befand sich auf dem Gutsgelände ein Lager der sowjetischen Geheimpolizei GPU. Später entstand auf dem Anwesen ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb, der im Schloss Büroräume und Wohnungen für die Angestellten einrichtete.

Das Gebäude überstand das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Folgejahre recht unbeschadet. Ab Ende der 1970er Jahre wurde der Bau nicht mehr genutzt. Bis dahin blieb ein großer Teil der alten Ausstattung wie Fenster, Türen und Parkettfußboden erhalten. Ungesichert und unbewacht verfiel das Schloss nach Plünderung und Zerstörung.

1712 ließ die Familie Hanmann auf einer Anhöhe ein Schloss errichten, das ihr als Hauptwohnsitz diente. 1865 erfolgten unter der Familie von Goetzen umfangreiche Umbaumaßnahmen. Der zweigeschossige Bau entstand auf rechteckigem Grundriss unter Verwendung der alten Kellerräume. Die Vorderfassade gliederte ein Mittelrisalit. An der Parkseite begrenzten ein dreigeschossiger Turm und ein seitlicher, zweigeschossiger Risalit die große Aussichtsterrasse. An den Giebelseiten befanden sich Anbauten. Treppengiebel krönten die Risalite und Giebelseiten. Es gab Vierecks- und Rundbogenfenster. Die Außenwände des Schlosses waren reich verziert. Arkardengesimse säumten die Fassaden. Ein Zinnenkranz mit Fialen bildete die Turmkrönung.

Das einstige Schloss stand im Zentrum des Anwesens zwischen dem westlich gelegenen, mehrfach erweiterten Wirtschaftsbereich und dem Park, der bis hinunter an den Fluss Passarge (Pasłęka) reichte.

Auf dem Grundbesitz gab es eine Tongrube. Aus dem abgebauten Material wurden Ziegel in der direkt danebenliegenden, eigenen Dampfziegelei hergestellt. Über Jahrhunderte hinweg war die Ziegelei für die Gutsbesitzer die größte Einkommensquelle. 1958 stellte die Ziegelei die Produktion ein.

Das ehemalige Gutsgelände wird von einem modernen Landwirtschaftsbetrieb genutzt. Die Gutsanlage samt der Schlossruine ist Privatbesitz. (Stand 8/2022)


Letzter Besitzer vor 1945: Charlotte Gramsch

2 km südöstlich von Braunsberg (Braniewo)

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