Ehemaliger Landkreis: Allenstein – Heutiger Kreis (Powiat): Olsztyn
Auf einer Halbinsel des Daddaisees (Jezioro Dadaj) liegt das ehemalige Landgut Schönfließ, das bereits im 14. Jahrhundert als Rittergut gegründet wurde. 1376 verlieh Heinrich III. Sorbom, Bischof von Ermland, Schönfließ an seinen Getreuen Marquard Balke nach Kulmer Recht. Dieser verkaufte es siebzehn Jahre später. Am 1. November 1393 bestätigt der Bischof den Ankauf des Gutes durch die Kinder seines Bruders Johannes Sorbom und vergrößerte es durch weitere Ländereien. Anfang des 17. Jahrhunderts war das Anwesen in den Händen derer von Sudeck Wilczewski, ab 1632 über einen langen Zeitraum Eigentum der Familie von Bulowice Nycz. Ferdinand Matthiae betrieb um 1879 auf Schönfließ neben der Landwirtschaft auch eine Brennerei und eine Ziegelei. In den ersten dreißig Jahren des 20. Jahrhunderts war die Familie Meyer im Besitz des 520 Hektar großen Gutes. Sie züchtete Rinder und Schweine, stach Torf zum eigenen Bedarf und führte die Brennerei weiter. Die Familie hielt auch Schafe, im Jahr 1921 umfasste die Herde 290 Tiere. Nach dem Tod von Fritz Meyer musste seine Frau Ilse das Anwesen zwangsversteigern lassen. Damit kam es in die Hände der Bank der Ostpreußischen Landschaft in Königsberg. Im Oktober 1934 kaufte Hugo Loeffler das Gut. Als dieser drei Jahre später verstarb, bewirtschafteten es seine Frau Emmi und seine Schwägerin Lilli Boltz weiter. Im Januar 1945 gelang es den Leuten aus Schönfließ nicht mehr, sich rechtzeitig auf die Flucht zu begeben. Die beiden Frauen und der Kämmerer wurden am 4. Februar 1945 von sowjetischen Soldaten auf dem Gut erschossen.
Anfang des letzten Jahrhunderts wurde das Gutshaus ursprünglich auf T-förmigen Grundriss errichtet. Der noch bestehende Gebäudeteil ist ein zweigeschossiger Bau mit Walmdach. Während zwei große Rundbogenfenster eine Giebelseite schmücken, befindet sich ein eingeschossiger Standerker auf der gegenüberliegenden Seite. Dekorsteine betonen die Hausecken. Die schmalen rechteckigen Fenster und einfache Verzierungen gliedern die Fassade. Der nicht mehr vorhandene Bauteil war ein eingeschossiges Kniestockhaus. Seitliche Risalite mit Dreiecksgiebeln schmückten dessen Längsseiten.
Vom einstigen Wirtschaftshof existiert außer dem als Hotel umgebauten und genutzten Speicher nichts mehr. Gärtnerei, Brennerei, Scheunen, Schmiede und Schafstall haben die Zeiten nicht überlebt.
Auf dem ehemaligen Gutsgelände befindet sich heute die Anlage des „Hotel Star Dadaj Resort & Spa“. In der Empfangshalle des Hotels hängt ein Bild der einstigen Rittergutsbesitzer Hugo und Emmi Löffler.
Der alte Gutspark ist verwildert. Nahe des Wohnhauses blieb ein kleiner Bestand imposanter, alter Bäume verschiedenster Arten erhalten. Über eine große Wiese eröffnet sich der Blick vom Haus auf den See.
Das ehemalige Gutshaus wurde in den letzten Jahren außen und innen restauriert und renoviert. Im Inneren erfolgten Umbauten, um das Gebäude als Pension führen zu können. Das Gutshaus befindet sich in Privatbesitz. Auf Anfrage waren Außenaufnahmen möglich. (Stand 7/2019)
Letzter Besitzer vor 1945: Familie Loeffler
33 km nordöstlich von Allenstein (Olsztyn)
18 km westlich von Bischofsburg (Biskupiec)